| Integrationsbericht der Klassenlehrerin | Integrationsbericht der Sonderschulpädagogin | Schulbericht | Komentierter Integrationsbericht der Sonderschulpädagogin |
Die Fortführung der integrativen Beschulung mußte entsprechend den Vorschrifte erfolgen. Nach der 'Verordnung zur Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs' mußte der sonderpädagogische Förderbedarf festgestellt werden. § 2 Ziffer (2) dieser Verordnung schreibt vor, daß die Schule durch eine beauftragte Lehrkraft einen Bericht zu erstellen hat. Dieser Bericht vom Stand November 1997, der die Unterschrift sowohl der Klassenlehrerin als auch der Sonderschulpädagogin trägt, war für die Schulleitung vom Inhalt her nicht tragbar. Es wurde nochmals ein Bericht in Auftrag gegeben, der in seiner Aussage objektiv sein sollte.
Abgeliefert wurden danach zwei Berichte, ein Bericht der Klassenlehrerin mit Datum vom 16.12.1997 und einer von der Sonderschulpädagogin vom Stand Dezember 1997. Meiner Bitte um Aushändigung beider Berichte wurde entsprochen. Der Bericht der Klassenlehrerin war weitestgehend akzeptabel, der Bericht der Sonderschulpädagogin hingegen war tendenziös, enthielt eine Unwahrheit, kriminalisierte unseren Sohn und war teilweise widersprüchlich gegenüber den Zeugnissen. Ich machte mir die Mühe, und kommentierte den Bericht der Sonderschulpädagogin und gab den kommentierten Bericht zur Schule zurück.
Das Ergebnis davon war, daß die Schulleitung die Klassenlehrerin beauftragte, einen Schulbericht zu schreiben. Diese weigerte sich zunächst auch in meinem Beisein, nochmals einen Bericht zu erstellen. Dies mag seine Ursache darin haben, daß ihre Unterschrift unter dem ersten Bericht, der mir erst nach mehr alas einem Jahr zugänglich gemacht wurde, die Überzeugung der Klassenlehrerin dokumentierte und sie nicht von ihrer Überzeugung abweichen wollte. Als der Schulamtsdirektor des ehemaligen Schulaufsichtsamtes Wolfenbüttel seine Hilfe anbot, wurde unter Mitwirkung der Klassenlehrerin von ihm der endgültig Bericht geschrieben, der das Datum vom 18.02.1998 trägt.
Die hellroten Schriftpassagen in der Kommentarfassung des Integrationsberichts der Sonderschulpädagogin sind im Original grau, die dunkelroten Passagen schwarz unterlegt.
Ob nun alle geschriebenen Berichte oder nur der vom 18.02.1998 zur Bewertung herangezogen wurde, kann ich nicht sagen. Der zuständige Regierungsschuldirektor erklärte in einem Ttelefongespräch mir gegenüber die beiden Integationsberichte vom 16.12.1997 und vom Stand Dezember 1997 für nicht geschrieben, denn es sei ein Schulbericht gefordert, der nun erstellt werden wird unter Einhaltung der vorgeschriebenen Verfahrensweise. Danach hätten die Lehrkräfte vor dem Abfassen des Berichtes mit uns ein Gespräch führen müssen, was aber nicht der Fall war. Im Gegenteil, es wurde von jeder Lehrkraft ein Bericht geschrieben. Diese Vorschrift wurde mit dem Bericht vom 18.02.1998 eingehalten.
Aus dem Schriftwechsel mit der Bezirksregierung Braunschweig geht hervor, daß alle geschriebenen Berichte zur Bewertung herangezogen werden. Daraus wird die schwierige Umgangsweise mit der Bezirksregierung ersichtlich, da der Schulregierungsdirektor nicht immer der Meinung seiner Dienststelle war und entsprechend argumentierte. Möglicherweise war es die Absicht der Bezirksregierung, mir keinen klaren Sachverhalt zu vermitteln.
Es gibt keine rechtlichen Bedenken aus Gründen des
Datenschutzes, wenn ich auf diesen Seiten die Namen der amtlichen bzw.
schulischen Akteure nennen würde, wie mich das Büro des Datenschutzbeauftragten
des Landes Niedersachsen telefonisch wissen ließ.
Die Namen und die dahinter stehenden Personen sind nach
meiner Auffassung austauschbar, weil diese Personen nicht im persönlich
Interesse gehandelt haben, sondern im dienstlichen Auftrag. Daraus läßt
sich eine Grundhaltung der entsprechenden Abteilung der Bezirksregierung
in Bezug auf die Integration geistig behinderter Kinder in der Grundschule
ableiten. Lägen persönliche Interessen vor, hätte die Bezirksregierung
anders auf meine Dienstaufsichtsbeschwerde reagieren müssen.
Wie mich die Niedersächsische Staatskanzlei in einem Schreiben vom Oktober 1999 wissen ließ, macht mein Buch, das ich über diese vier Grundschuljahre unseres Sohnes geschrieben habe, "allzu deutlich, daß Sie die Integration von Till-Philipp mit sehr großem Engagement begleiten und unterstützen. Dafür gebührt Ihnen Dank und Anerkennung". Eine solche Würdigung, wenn auch nicht in diesem Ausmaß, war von der Bezirksregierung durch das Einwirken der Sonderschulpädagogin nicht zu erwarten. Daß sich allerdings die Bezirksregierung von der Sonderschulpädagogin so verbiegen ließ, daß sie im Schutz der Behörde Eltern verleumden kann, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, gewährt nach meiner Meineung einen kleinen Einblick in die Mechanismen dieser Behörde. Es ist zwar möglich, aber nicht einfach, trotz einer solchen verbalen Steinigung gesellschaftlich zu bestehen.
Klassenliehrerin: Frau yyyyy Dienstbezeichnung: Lin für
GS u. HS
Sonderschullehrerin: Frau xxxx Dienstbezeichnung: Lin
für Sonderschule f. Lernbehinderte
Bezug: Fortsetzung der lntegrationsbeschulung an der IGS Querum, Braunschweig, telefoni-sche Anforderung des Berichts durch die Bezirksregierung Braunschweig
| Personalien: | |||
| Name: | Spanier | Vorname: | Till-Philipp |
| geb. am: | 13.10.1987 | Geburtsort: | Wolfenbüttel |
| Lebensalter | 10 Jahre | Geschlecht: | männlich |
| Staatsangehörigkeit: | Deutsch | Religion | EV |
| PLZ: | Wohnort: | ||
| Straße: | Telefon: | ||
| Erziehungsberechtigte: | Hans-Peter u. Christel Spanier | ||
| Schule: | GS [Ortschaft] Klasse: 4a |
Schullaufbahn:
Beginn der Schulpflicht: 01.08.1994
Einschulung: 1994 in Integrationsklasse der GS
[Ortschaft],
zieldifferenter Unterricht nach den Rahmenrichtlinien der Schule für
Geistigbehinderte
1. Begründung des Berichtes
j
Die Eltern wünschen die Fortsetzung der lntegrationsbeschulung
an der IGS Querum in Braun-schweig. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens
wurde die GS [Ortschaft] seitens der Bezirks-regierung Braunschweig zur
Erstellung eines Berichts über die bisherige lntegrationsmaßnahme
aufgefordert.
2. Rahmenbedingungen der Schule
Till-Philipp wird zieldifferent nach den Richtlinien der
Schule für Geistigbehinderte in der Inte-grationsklasse 4a gemeinsam
mit einem lernbehinderten Mädchen unterrichtet.
Die Grundschule [Ortschaft] ist eine zweizügige Grundschule
mit 184 Schülern. Der 4. Schuljahrgang ist mit der Integrationsklasse
dreizügig. Die Integrationsklasse wird seit ihrer Ein-richtung von
der Grundschullehrerin Frau yyyyy als Klassenlehrerin mit allen Fächern
geführt. In Doppelbesetzung mit 15 Wochenstunden betreut die Klasse
sonderpädagogisch die Sonderschul-lehrerin Frau xxxx; während
ihrer Mutterschutzzeit mit anschließendem Erziehungsurlaub wur-de
diese von der Sonderschullehrerin Frau Rathenow vertreten. Erst ab dem
4. Schuljahr findet Fachunterricht in den Fächern Sport, Textil und
Musik ohne die Klassenlehrehn statt.
Die Lernumgebung ist den besonderen Erfordernissen einer
lntegrationsbeschulung ange-paßt worden. So steht der Klasse z.B.
ein Gruppenraum und zusätzliches Lernmaterial zur Verfü-gung.
Durch Wegzug ist die Klasssenfrequenz der Integrationsklasse von anfangs
17 auf inzwi-schen 15 Schüler und Schülerinnen abgesunken. Die
Kinder dieser Klasse kommen aus den zwei Wohnorten der beiden behinderten
Kinder, Gardessen und [Ortschaft] (wohnortnahe Integrati-on). Ihre Eltern
haben sich nach Befragung durch die Grundschule freiwillig für die
Beschulung ihrer Kinder in einer Integrationsklasse ausgesprochen und stehen
uneingeschränkt hinter dem Konzept dieser lntegrationsbeschulung.
Die Integrationsklasse verfügt über die Akzeptanz der gesamten
Schule, Schüler, Eltern, Lehrer und des sonstigen Schulpersonals.
3. Bisherige Schullaufbahn
Bedauerlicherweise hat Till-Philipp keinen Kindergarten
besucht. Das Bemühen der Eltern, eine Integration bereits im Kindergarten
zu erreichen, war ohne Erfolg.
Till-Philipp wurde zum Schuljahr 94/95 gemeinsam mit
einem lernbehinderten Mädchen und 15 Grundschülern in die erste
Klasse der Grundschule [Ortschaft] eingeschult.
4. Vorstellungen und Wünsche der Erziehungsberechtigten
Die Eltern Spanier wollen für Till-Philipp erreichen, daß er von Anfang an als gleichberechtigtes Mitglied in die Gesellschaft aufgenommen wird, in ihr wächst und in gegenseitiger Akzeptanz verbleibt. Sie sind der Auffassung, dies nur über eine integrative Beschulung mit anschließender beruflichen Ausbildung (ohne üblichen Abschluß) zu erreichen.
5. Bisherige Entwicklung des Schülers
Till-Philipp wird zieldifferent nach den Rahmenrichtlinien
der Schule für Geistigbehinderte un-terrichtet. Von der gezielten
sonderpädagogischen Betreuung der beiden Kinder mit sonderpäd-agogischem
Förderbedarf entfallen auf Till-Philipp ab dem 3. Schuljahr ca. zwei
Drittel zur direk-ten Förderung in seinen Lehrgängen bzw. zur
Unterstützung seiner Mitarbeit im Klassenverband.
Aufgrund mangelnder vorschulischer Erfahrungen (s. Punkt
3) mußte anfangs vorrangig viel Zeit für den Aufbau seiner Kontakt-,
Interaktions- und Kooperationsfähigkeit verwendet werden. Inzwischen
ist Till-Philipp ein voll integriertes Mitglied seiner Lerngruppe und hat
es gelernt, mit seinen Mitschülern sozial zu agieren (vgl. Punkt 6.2.
Sozialverhalten).
Im Laufe seiner Schulzeit ist es Till-Philipp immer mehr
gelungen, Gesetze und Regeln ein-zuhalten, wenngleich er auch jetzt manchmal
noch Schwierigkeiten mit der Akzeptanz von Ver-boten hat. Das schulische
Regelwerk adoptiert er durch Nachahmung seiner Mitschüler; dies zeigt
sich u.a. bei schulischen Veranstaltungen, an denen er inzwischen unauffällig
teilnimmt.
6. Arbeits- und Sozialverhalten, Lernstand, Lern- und
Leistungsverhalten
6.1. Arbeits- und Lernverhalten
Till-Philipp kann bei motivierenden Inhalten und guter
Tagesform bis zu 20 Minuten selbständig arbeiten. Dabei ist sein Arbeitstempo
schwankend. Manchmal hat Till-Philipp keine Lust zum Lernen. Um dann wieder
zur Arbeit motiviert zu werden, benötigt er direkte Anleitung und
Be-treuung der jeweiligen Lehrkraft.
Die Stunden, in denen er mit der Klasse von nur einer
Lehrkraft betreut wird, nutzt er i.d.R. zum freien Spiel in der eigens
für ihn eingerichteten Spielecke oder er bearbeitet kleine Aufgaben
nach bekanntem Muster selbständig, fordert dann aber die Zuwendung
der einen Lehrkraft. Die anderen Kinder können inzwischen die Lehrkraft
in diesen Fällen unterstützen und ihm ange-messen helfen. Till-Philipp
hat gelernt, über einen längeren Zeitraum auf dem Sofa in der
Lesezo-ne die Fotoalben, die die wichtigen Stationen der lntegrationsklasse
zeigen, zu betrachten oder sich mit Bilderbüchern zu beschäftigen.
Bei fächerübergreifenden Inhalten versucht
Till-Philipp im Klassenverband mitzuarbeiten, indem er sich an seinen Mitschülern
orientiert. Auch sonst lernt er vieles über die Nachahmung der anderen
Kinder.
Till-Philipp kann sich im Schulgebäude und im Pausenbereich
weitgehend selbständig bewegen und kann kleine Aufträge angemessen
ausführen.
Besonders gern erledigt Till-Philipp seine Hausaufgaben;
dabei hilft ihm seine Mutter.
6.2. Sozialverhalten
Till-Philipp ist wie auch das lernbehinderte Kind voll
in die Klasse integriert. Das soziale Klima der Klasse ist geprägt
von gegenseitiger Toleranz, Rücksichtnahme und Hilfe; jedes Kind wird
in seiner Individualität mit Stärken und Schwächen akzeptiert.
Alle Kinder gehen freundlich und einfühlsam miteinander um. Lernfortschritte
und gelungene Aktionen der beiden lernbehinderten Kinder werden mit Anerkennung
und sogar mit Stolz von den anderen Kindern der Klasse hono-riert.
Till-Philipp pflegt gute Kontakte zu allen Mitschülern.
Er sucht sich für Aktivitäten im Klassenverband Arbeitspartner.
Zu einigen Mitschülern hat er eine freundschaftliche Beziehung - auch
im Freizeitbereich. Er liebt es, die Kinder zum Lachen zu bringen. Wenn
sie traurig sind, trö-stet er sie liebevoll. Er hat durch gezielte
Übungen eine Vorstellung von "Vorsicht" und "zärtlich" entwickelt
und kann damit seine Kräfte bei Umarmungen zunehmend besser dosieren.
In den Pausen sucht sich Till-Philipp gezielt Spielpartner.
Er hat Vorlieben für bestimmte Klassenkameraden und für Kinder
der unteren Jahrgangsstufen entwickelt, mit denen er im Sandkasten, mit
dem Rollbrett oder auf dem Klettergerüst spielt. Er kann Spielsituationen
initiie-ren und verändernd auf sie einwirken. Dabei kommt es manchmal
zu Konflikten, wenn er nicht erkennt, daß ein Spiel zu Ende ist oder
wenn er die Spielregeln nicht durchschaut (z. B. Unter-scheidung von Spaß
und Ernst). Dann kommt es vor, daß er aufgrund seiner körperlichen
Überle-genheit jüngeren Kindern weh tut. Die Mitschüler,
besonderes aus seiner eigenen Klasse, haben gelernt, mit ihm in solcher
Situation umzugehen und sich in passender Form zu wehren. Sie lei-ten auch
die anderen Kinder der Schule zu adäquaten Reaktionen an.
Till-Philipp hat ein anhängliches Verhältnis
zu den beiden ihn in der Klasse betreuenden Lehrerinnen. Allen anderen
Lehrerinnen, auch im Fachunterricht, sonstigem Schulpersonal und Besuchern
begegnet er stets freundlich offen. Ein besonderes freundschaftliches Verhältnis
hat er zum Schulhausmeister entwickelt.
6.3. Lernvoraussetzungen und Lernstände:
6.3.1. Entwicklungsorientierte Lernbereiche
Grob- und Feinmotorik
Till-Philipp hat seine Bewegungsökonomie und -Geschwindigkeit
sowie Zielgerichtetheit soweit entwickelt, daß er an den Ball- und
Bewegungsspielen der Grundschüler teilnehmen kann.
Auch bei Bewegungsformen, die den Gleichgewichtssinn
beanspruchen, hat er deutliche Fortschritte gemacht. Pedalo fahren und
Dosenstelzen laufen beherrscht er mit nur noch wenig Hilfe.
Till-Philipp verfügt über eine differenzierte
Handfertigkeit und kann sämtliche im Unter-richt gebräuchlichen
Materialien sachgerecht handhaben
Seine Auge-Hand-Koordination ist soweit entwickelt, daß
ihm das Anmalen von komple-xen Formen., das gezielte Kleben, das Schneiden
auf der Linie, wie auch das Schreiben von Buch-staben und Zahlen ohne Führungslinien
immer besser und schneller gelingt.
Wahrnehmung / Denken
Till-Philipp ist in der Lage, Vorhaben und Handlungseinheiten
im Rahmen seiner Möglichkeiten zu planen und umzusetzen. Es gelingt
ihm, diesbezügliche Ideen anderen gegenüber zu artikulie-ren
und durchzusetzen. Er verfügt inzwischen über eine Reihe von
Problemlösungsstrategien und kann Handlungsalternativen gezielt wählen.
Nicht immer gelingt es ihm, mögliche Konsequen-zen des eigenen oder
auch fremden Handelns richtig einzuschätzen.
Till-Philipp kennt Formen und Farben und kann diese differenzieren.
Er kann Größen un-terscheiden, Reihenfolgen und einfache Kategorien
bilden.
Sprache /_Kommunikation
Till-Philipp erweitert seine Sprachkompetenz in allen
Bereichen kontinuierlich. Er kann sich mit Hilfe einfach strukturierter
Sätze oder Satzfragmente (i.d.R. Dreiwortsätze) situationsangemes-sen
mitteilen, gezielt Hilfe erbitten, Wünsche und Bedürfnisse artikulieren.
Immer besser gelingt es ihm, Fragen zu formulieren und entsprechend zu
betonen.
Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln sowie
Höflichkeitsausdrücke beherrscht er und verwendet sie zumeist
situationsadäquat.
Mit Hilfe kann er in ersten Ansätzen in Gesprächskreisen
thematisch gebunden erzählen und sich an Gesprächsregeln halten.
Till-Philipp versteht Aufforderungen sowie Lob und Verbote
und kann angemessen darauf reagieren. Dabei nutzt er die Fähigkeit,
unterschiedliche Stimmodulationen richtig zu deuten.
6.3.2. Handlungsorientierte Lernbereiche
Selbstversorgung
Till-Philipp hat in den lebenspraktischen sowie schulrelevanten
Bereichen ein deutlich höheres Maß an Selbständigkeit erlangt
als zu Beginn der Schulzeit. Er erledigt die Anforderungen im Hy-gienebereich
ohne Aufforderung und weitgehend ohne Hilfe jedoch noch nicht in angemessener
Zeit. Für seine Toilettengänge benötigt er noch ungewöhnlich
viel Zeit, da er sich leicht verspielt. Das An- und Auskleiden gelingt
ihm weitgehend selbständig. Lediglich beim Zuknöpfen der Ho-se,
Binden der Schleife und Schließen von Reißverschlüssen
benötigt er noch Hilfe.
Bei Ausflügen und Unterrichtsgängen fügt
sich Till-Philipp gut in die Gruppe ein und braucht nicht mehr die unmittelbare
Hilfe durch eine Lehrerin. Im Straßenverkehr ist sein Ver-halten
noch nicht regelgerecht. Hier benötigt er ständige Beaufsichtigung,
weil er noch zu unvor-hersehbaren Reaktionen neigt und dadurch in besonderer
Weise gefährdet ist.
Den Schulweg beherrscht er nach mehrfacher Übung
mit der Klassenlehrerin noch nicht. Auch kann er den nur wenige hundert
Meter langen Weg zum Sportplatz noch nicht ohne Auf-sicht gehen. Er kann
nach rechts und links schauen und weiß, daß er die Straße
nur dann über-queren darf, wenn kein Auto kommt. Er tut es jedoch
oft nur auf nachdrückliche Aufforderung hin.
Innerhalb des Tagesgeschäftes in der Klasse kann
Till-Philipp inzwischen alle an ihn gestellten Anforderungen erfüllen:
z.B. Frühstückstisch decken, Kakao holen, Müll (getrennt)
entsorgen, Tischgewohnheiten einhalten, Arbeitsplatz einrichten, Materialien
besorgen, Arbeitsblätter ab-heften, Bücher ausleihen etc., Ordnung
schaffen, z.B. Abräumen des Frühstückstisches, Einräu-men
des Ranzens, Aufräumen der Spielecke u.ä. gelingt nach gezielter
Aufforderung.
Spielen
Mit Freuden nimmt Till-Philipp an Klein- und Großgruppenspielen
teil. Er kennt grundlegende Regeln und kann sich daran halten, wenngleich
er immer wieder versucht, diese auf seine Be-dürfnisse hin zu verändern.
In Freispielphasen beschäftigt er sich gern mit
Handpuppen und Bauklötzen in seiner Spiel-ecke oder er sieht sich
Bücher und Fotoalben an. Er malt gerne und erzählt zu seinen
Bildern. Er schreibt auch Briefe, indem er die Schrift in kritzelnder Form
nachahmt.
Im Einzelspiel in den Pausen sucht er sich oft Dosenstelzen
oder ein Springseil aus (Grup-penspiel s. Punkt Sozialverhalten).
6.3.3. Fachorientierte Lernbereiche
Musik / Rhythmik
Till-Philipp zeigt grundsätzlich Interesse und große
Freude an musikalischem Tun.
In das Klassenmusizieren wird er integriert. So kann
er mit Unterstützung annähernd gleichmäßig auf Rhythmusinstrumente
schlagen. Im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten gelingt ihm der Wechsel
zwischen Spiel und Pause schon recht gut. Da ihm das Spielen auf In-strumenten
Spaß macht und er sich dabei an seinen Mitschülern orientieren
kann, gelingt ihm das Einhalten musikalischer Regeln zunehmend besser;
so hat er u.a. gelernt, abzuwarten bis er an der Reihe ist. Auch versucht
er mitzusingen.
Hauswirtschaft
Koch-AG
Till-Philipp nimmt mit Begeisterung an der Koch-AG teil.
Es gelingt ihm, mit seinen Mitschülern in einer Arbeitsgruppe produktiv
und eifrig mitzuarbeiten. Z.B. kann er gut Zutaten für den Salat zerschneiden.
Beim Backen von Weihnachtsgebäck rollte er den Teig aus und stach
Plätzchen aus.
Beurteilungen in den Fächern Deutsch, Kunst, Mathematik,
Textiles Gestalten, Sport siehe beigefügte Zeugnisse und lntegrationsbericht
der Sonderschullehrerin Frau xxxx
7. Bisherige zusätzliche Fördermaßnahmen
Laut Aussage der Eltern nahm Till-Philipp vom März
bis August 1993 einmal wöchentlich an einer Sprachtherapie teil, die
auf Anraten des Therapeuten im Hinblick auf die im Folgejahr an-stehende
Einschulung nicht weitergeführt wurde.
Till-Philipp ist während des 1. Schuljahres im schuleigenen
Sprachsonderunterricht (Dis-grammatismus, Dyslalie) zusätzlich gefördert
worden.
Seit etwa zwei Jahren sind die Eltern bemüht, Till-Philipp
Schwimmunterricht erteilen zu lassen. Ein gezielter Schwimmunterricht wurde
vor kurzem vom Schwimmeister noch nicht für ratsam gehalten, da Till-Philipp
noch weiterhin wassergewöhnt werden soll.
Nach Aussage der Eltern ist erneut logopädischer
Unterricht vorgesehen; sie warten auf freie Termine.
8. Zusammenarbeit Schule - Elternhaus
Vor Beginn der Integration haben beide Lehrerinnen Till-Philipp
in seiner häuslichen Umgebung besucht.
Im 1. und 2. Schuljahr fanden im Halbjahresrhythmus Lehrer-Elterngespräche
statt.
Da die Mutter ihren Sohn täglich zu Schule bringt
und ihn wieder abholt, ergaben und er-geben sich laufend Gespräche
mit beiden Lehrerinnen, durch die wichtige Informationen in beide Richtungen
ausgetauscht werden. An den zahlreichen Elternabenden und den obligatorischen
Elternsprechtagen haben die Eltern Spanier immer teilgenommen.
Der Vater hat sich für die Schule im Rahmen des
vom Land geförderten Schulprojektes "Moderne Schule" sehr engagiert,
indem er die gesamte Software-Installation an den für allen Klassen
angeschafften Computern übernahm und das Kollegium im Rahmen einer
SchiLF in de-ren Handhabung einwies. Bei diesem Projekt ergaben sich zahlreiche
informelle Kontakte, in de-nen auch Fragen bzgl. der Integration konstruktiv
und offen behandelt wurden.
9. Verlauf der Integration
Vor Einrichtung der Integrationsklasse an der GS [Ortschaft]
haben die Klassenlehrerin und die Sonderschullehrerin gemeinsam mit der
Schulleitung ein pädagogisches Konzept erarbeitet. Die-ses Konzept
konnte weitgehend verwirklicht werden.
In den ersten Schulwochen gab es große Probleme,
Till-Philipp an den Umgang mit den Schulkindern zu gewöhnen. Der Grund
dafür lag darin, daß die Kindergartenzeit, die Till-Philipp
nicht gehabt hat, aufgearbeitet werden mußte.
In die Lerninhalte des ersten und zweiten Schuljahres
konnten beide behinderten Kinder mit den Aufgaben, die ihren Richtlinien
entsprachen, gut integriert werden; dabei war die auf die lntegrationsklasse
abgestimmte Unterrichtsform (Freiarbeit, offener Unterricht) hilfreich.
Im dritten und jetzt im vierten Schuljahr wird die Integration
besonders in den lehrgangs-abhängigen Fächern immer schwieriger,
weil die nichtbehinderten Kinder leistungsbezogener auf die Ohentierungsstufe
vorbereitet werden. In den Lehrgängen ist somit eine individuelle
Betreu-ung der behinderten Kinder notwendig.
Da die Schülerzahl in der Klasse gering ist, kann
die Sonderschullehrerin meistens mit bei-den behinderten Kindern im Klassenraum
gemeinsam arbeiten. Das sind alle Schüler gewohnt und lassen sich
gegenseitig nicht stören oder ablenken. So geschieht es schon, daß
sich plötzlich ungeplant gemeinsames Lernen ergibt. Bei Klassenarbeiten
kann in den Gruppenraum ausgewi-chen werden. Problematisch ist Vertretungsunterricht,
da die Vorbereitung auf den Unterricht nach drei unterschiedlichen Richtlinien
erfolgen muß und festgelegten Rituale, die den Unter-richtstag der
Klasse bestimmen, eingehalten werden sollten. Es ist nicht einfach für
eine Vertre-tungskraft, ein Mitglied des eingearbeiteten Lehrerteams zu
ersetzen.
Empfehlung für weitere Integration
Nach den Erfahrungen mit der Arbeit in einer Integrationsklasse
ist zu empfehlen:
- ein Lehrerkollegium, das dem Integrationsgedanken positiv
gegenübersteht und die Integrati-onsklasse mitträgt,
- geringe Schülerzahl,
- Einverständnis der Eltern für die Beschulung
ihrer Kinder in der lntegrationsklasse,
- gründliche Information aller Schüler der
Schule zum Umgang mit Behinderten, '
- intensive Elternarbeit (Elternabende, Elternbriefe,
Einbeziehung der Eltern in die unterrichtli-che Arbeit),
- ein Klassenraum, der den besonderen Erfordernissen
der Behinderten entspricht (z.B. gesicher-te Steckdosen sowie verschließbarer
Schrank zum Aufbewahren von Farben, Farblöser, Streichhölzern
usw.),
- ein großer Gruppenraum für gesonderten Unterricht,
auch als Frühstücksraum geeignet,
- Mitarbeit einer Logopädin, Erzieherin und Musikpädagogin,
- Sportunterricht mit einem für Sonderturnen ausgebildeten
Lehrer.
Anlagen
Zeugnisse des 3. Schuljahres
Integrationsbericht der Sonderschullehrerin Frau xxxx
(Grundschullehrerin) (Schulleiterin)
Berichtanfang
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Till-Philipp wurde zum Schuljahr 94/95 gemeinsam mit einem
lernbehinderten Mädchen und 15 Grundschülern in die erste Klasse
der Grundschule [Ortschaft] eingeschult. Er wird seitdem inte-grativ beschult
und wird nach den Rahmenrichtlinien der Schule für geistig Behinderte
unterrich-tet.
Die Klasse wird von der Grundschullehrerin Frau yyyyy
geführt und mit 15 Wochenstun-den in Doppelbesetzung von der Sonderschullehrerin
Frau xxxx betreut. Von den i.d.R. 3 Stun-den sonderpädagogischer Betreuung
täglich benötigt Till-Philipp ca. zwei Drittel zur direkten Förderung
in seinen Lehrgängen bzw. zur Unterstützung seiner Mitarbeit
im Klassenverband. Die anfänglich häufiger mögliche inhaltsgleiche
Integration in den Unterricht der Lerngruppe (z.B. bei der Einführung
der Buchstaben und Zahlen in Lernstationen) ist infolge der immer un-terschiedlicheren
Lernstände der Kinder zunehmend seltener realisierbar. Es ist jedoch
möglich durch zeitliche Parallelisierung der Lehrgänge eine räumliche
Integration zumeist über den ge-samten Schultag zu gewährleisten.
Auf diese Weise können spontane, sich aus dem Unterricht ergebende
Gelegenheiten, Till-Philipp nach seinen Möglichkeiten in den Unterricht
der Grund-schüler zu integrieren, ausgeschöpft werden. Grundschüler
können immer wieder als Helfer ein-bezogen und zu gemeinsamem Arbeiten
mit Till-Philipp motiviert werden.
Das für die Integration Till-Philipps grundlegende
Modell-Lernen - Till-Philipp lernt am Modell resp. durch Nachahmung der
Grundschüler allgemeine Verhaltensweisen bzw. die Grund-schüler
lernen durch das Modell der Lehrerinnen den Umgang mit Till-Philipp - findet
durch die räumliche Gemeinsamkeit seine Verwirklichung. Überdies
hat das dazu geführt, daß anfängliche Ängste der Kinder
der Lerngruppe abgebaut, Akzeptanz für die Individualität, die
besonderen Be-dürfnisse des geistig behinderten Jungen aufgebaut und
die Kinder der Lerngruppe zu kompeten-ten Helfern wurden. Die nichtbehinderten
Kinder haben z.T. erstaunliche Fähigkeiten entwik-kelt, Till-Philipp
nach seinen Möglichkeiten in Arbeitsprozesse einzugliedern bzw. in
seinen Be-langen zu fördern.
Die Kinder der Lerngruppe haben sich in der ersten Zeit
der gemeinsamen Beschulung in-tensiv um Kontakte im Freizeitbereich bemüht,
Till-Philipp besucht, zum Spielen und zu Ge-burtstagsfeiern eingeladen.
Die Eltemschaft hat dieses nach meinem Eindruck unterstützt. Der Umfang
der außerschulischen Kontakte zum aktuellen Zeitpunkt ist mir nicht
bekannt.
Till-Philipp hat in allen Bereichen eine deutliche und
positive Entwicklung vollzogen und von der Integration in der GS [Ortschaft]
profitiert.
Sozial- und Verhaltensaspekte
Till-Philipp kann bei motivierenden Inhalten und guter
Tagesform bis zu 20 Minuten selbständig arbeiten. Mitunter bedarf
er jedoch über einen ganzen Schultag hinweg der direkten Aufmerk-samkeit
einer Lehrerin, da seine Arbeits- und Lernbereitschaft sowie sein Arbeitstempo
in Abhän-gigkeit von der jeweiligen Tagesform stehen und entsprechend
schwankend sind. Die im ersten Schulbesuchsjahr häufigen Leistungsverweigerungen
Till-Philipps sind selten geworden und las-sen sich zumeist durch ein Angebot
von Alternativen oder Belohnungen auflösen.
Ein Problem stellte und stellt für Till-Philipp
noch immer die Einhaltung gesetzter Regeln und die Akzeptanz von Verboten
dar. Von daher muß ein hoher Aufmerksamkeits- und Betreu-ungsumfang
gewährleistet sein.
Die Stunden, in denen er mit der Klasse von nur einer
Lehrkraft betreut wird, nutzt er i. d. R. zum freien Spiel in der eigens
für ihn eingerichteten Spielecke oder er bearbeitet (max. 20 Mi-nuten)
kleine Aufgaben nach bekanntem Muster selbständig, fordert jedoch
beständig die Auf-merksamkeit und Zuwendung der einen Lehrkraft. Wird
ihm diese nicht gegeben, ist er i.d.R. nicht mehr zu effektiver Arbeit
zu bewegen.
Till-Philipp hat mitunter noch Schwierigkeiten mit der
Akzeptanz von Eigentum anderer. Insbesondere wenn er sich unbeobachtet
fühlt, neigt er dazu, Arbeitsmaterialien, Spielzeug oder auch Kleidungsstücke,
die ihn interessieren, an sich zu nehmen (sein eigener Ausdruck -. zu „mopsen“).
Das hat insbesondere in der ersten Zeit der gemeinsamen Beschulung zu Ängsten
und Aggressionen bei den Nichtbehinderten geführt. Inzwischen können
die Kinder angemessen und gelassen reagieren. Manchmal ist er auch in der
Lage, unaufgefordert darum zu bitten, einen Ge-genstand nehmen (angebahnter
Ausdruck: „ausleihen“) zu dürfen. 1.d.R. wird er von Kindern wie Lehrerinnen
dafür gelobt und sein Wunsch wird erfüllt. Andererseits ist zu
beobachten, daß er z.B. im Pausenbereich Kindern Gegenstände
gegen ihren Willen wegnimmt.
Die Lernumgebung ist im wesentlichen den besonderen Erfordernissen
angepaßt worden. So mußten z.B. die Seifenspender ungefüllt
bleiben, weil Till-Philipp sie sonst entleerte, die Steckdosen mußten
mit Kindersicherungen versehen werden, weil Till-Philipp sich mehrfach
an ihnen zu schaffen machte (um sie zu reparieren), Farben müssen
unter Verschluß gehalten wer-den, weil Till-Philipp mit ihnen die
Wände der Klasse verzierte u.v.m..
Till-Philipp kann sich im Schulgebäude und im Pausenbereich
weitgehend selbständig bewegen und kann kleine Aufträge angemessen
ausführen. Angesichts seiner mitunter nicht vorhersehba-ren Reaktionen
ist ein enges Kontrollsystem jedoch unerläßlich.
In den Pausen sowie im Unterricht sucht Till-Philipp
sich gezielt Spiel- und Arbeitspartner. Dabei hat er Vorlieben für
bestimmte Klassenkameraden und im Pausenbereich für Kinder der unteren
Jahrgangsstufen entwickelt. Er kann Spielsituationen initiieren und verändernd
auf sie einwirken. Mitunter führt seine mangelnde Fähigkeit,
Spielsituationen zu durchschauen (z.B. Unterscheidung von spaßhaftem
Toben und verletzendem Kämpfen) im Zusammenhang mit seinem gelegentlichen
Kräfteüberschuß zu Konflikten mit Mitschülern.
Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus
Die Eltern Till-Philipps zeigen sich sehr interessiert
an der schulischen Entwicklung ihres Sohnes. Sie sind jederzeit bereit
zu Gesprächen mit den Lehrerinnen und leisten gern jede erbetene Unterstützung
zur Verwirklichung von Unterrichtsvorhaben.
Es ist anzumerken, daß die den Eltern seit der
2. Klasse empfohlenen und aus sonderpädagogischer Sicht notwendigen
außerschulischen Fördermaßnahmen (psychomotorische, ergotherapeutische
und lo-gopädische Förderung) nach meiner Kenntnis noch nicht
erfolgt sind.
Lernvoraussetzungen und Lernstände
Selbstversorgung
Till-Philipp hat in den lebenspraktischen sowie schulrelevanten
Bereichen ein deutlich höheres Maß an Selbständigkeit erlangt
als zu Beginn der Schulzeit. Er erledigtt die Anforderungen im Hygienebereich
ohne Aufforderung und weitgehend ohne Hilfe jedoch noch nicht in angemessener
Zeit ( ca. 15 bis 25 Minuten pro Toilettengang). Das An- und Auskleiden
gelingt ihm weitgehend selbständig. Lediglich beim Zuknöpfen
der Hose, Binden der Schleife und Schließen von Reißverschlüssen
benötigt er noch Hilfe.
Bei Ausflügen und Unterrichtsgängen fügt
sich Till-Philipp gut in die Gruppe ein und braucht nicht mehr ständig
die unmittelbare Hilfe durch eine Lehrerin.
Im Straßenverkehr ist sein Verhalten noch nicht
regelgerecht. Er beherrscht auch nach ex-pliziter Übung mit einer
Lehrerin über ein Schulhalbjahr nicht den Schulweg durch das Dorf
so-wie den nur wenige hundert Meter langen Weg zum Sportplatz. Er kann
nach rechts und links schauen und weiß, daß er die Straße
nur dann überqueren darf, wenn kein Auto kommt. Er kann es jedoch
nur auf nachdrückliche Aufforderung hin.
Innerhalb des Tagesgeschäftes in der Klasse kann
Till-Philipp inzwischen alle an ihn gestell-ten Anforderungen erfüllen:
z.B. Frühstückstisch decken, Kakao holen, Müll (getrennt)
entsor-gen, Tischgewohnheiten einhalten, Arbeitsplatz einrichten, Materialien
besorgen, Arbeitsblätter abheften, Bücher ausleihen etc.. Ordnung
schaffen, z.B. Abräumen des Frühstückstisches, Ein-räumen
des Ranzens, Aufräumen der Spielecke u.ä. gelingt zumeist nur
nach mehrfacher Auffor-derung und mit Hilfe.
Spielen
Mit Freuden nimmt Till-Philipp an Klein- und Großgruppenspielen
teil. Er kennt grundlegende Regeln und kann sich daran halten, wenngleich
er immer wieder versucht, diese auf seine Be-dürfnisse hin zu verändern.
In Freispielphasen beschäftigt er sich gern mit
Handpuppen und Bauklötzen in seiner Spiel-ecke oder er sieht sich
Bücher und Fotoalben an.
In den Pausen sucht er sich oft Dosenstelzen oder ein
Springseil aus.
Wenn er mit anderen, meist jüngeren Schülern
im Sandkasten oder auf dem Klettergerüst spielt, entstehen mitunter
dadurch Konflikte, daß Till-Philipp Spielregeln nicht durchschaut
bzw. für sich akzeptiert, daß er in der Freude am Spiel seine
Kräfte nicht zu dosieren vermag, oder daß er die Belange der
anderen Kinder (z.B. ein Spiel zu beenden) nicht wahrnimmt.
Soziale Beziehungen
Till-Philipp geht auf Kinder der Lerngruppe und der Schule
offen zu, nimmt Kontakt auf und for-dert zu konkreten Spielsituationen
auf Er liebt es, die Kinder zum Lachen zu bringen und durch von ihm als
solche empfundene „Späßchen“ im Mittelpunkt zu stehen. Till-Philipp
zeigt eine gute Empathiefähigkeit. Weinende Kinder vermag er liebevoll
zu trösten.
Zu den beiden Lehrerinnen der Klasse hat er einen intensiven
Kontakt, der sich im vertrau-ten Umgang miteinander sowie der Herstellung
körperlicher Nähe durch Till-Philipp ausdrückt. Er nimmt
auch zu anderen Lehrerinnen der Schule und zum Hausmeister Körperkontakt
auf, wenn er getröstet werden möchte.
Seine Eigenart, Nähe zu den Kindern durch z.T. zu
starke Umarmungen herzustellen, hat Till-Philipp weitgehend abgebaut. Nur
noch selten muß diesbezüglich eine Lehrerin eingreifen und ein
Kind aus seiner (liebevoll gemeinten!) Umklammerung befreien. Er hat durch
gezielte Übungen eine Vorstellung von „Vorsicht“ und „zärtlich“
entwickelt.
Sprache / Kommunikation
Till-Philipp erweitert seine Sprachkompetenz in allen
Bereichen kontinuierlich. Er kann sich mit Hilfe einfach strukturierter
Sätze oder Satzfragmente (i.d.R. Dreiwortsätze) situationsange-messen
mitteilen, gezielt Hilfe erbitten, Wünsche und Bedürfnisse artikulieren.
Immer besser ge-lingt es ihm, Fragen zu formulieren und entsprechend zu
betonen.
Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln sowie
Höflichkeitsausdrücke beherrscht er und verwendet sie zumeist
situationsadäquat.
Mit Hilfe kann er in ersten Ansätzen in Gesprächskreisen
thematisch Gebunden erzählen und sich an Gesprächsregeln halten.
Till-Philipp versteht Aufforderungen sowie Lob und Verbote
und kann angemessen darauf reagie-ren. Dabei nutzt er die Fähigkeit,
unterschiedliche Stimmodulationen richtig zu deuten.
Wahrnehmung / Denken
Till-Philipp ist in der Lage, Vorhaben und Handlungseinheiten
im Rahmen seiner Möglichkeiten zu planen und umzusetzen. Es gelingt
ihm diesbezügliche Ideen anderen gegenüber zu artikulie-ren und
durchzusetzen. Er verfügt inzwischen über eine Reihe von Problemlösungsstrategien
und kann Handlungsalternativen gezielt wählen. Nicht immer gelingt
es ihm, mögliche Konsequen-zen des eigenen oder auch fremden Handelns
richtig einzuschätzen.
Till-Philipp kennt Formen und Farben und kann diese differenzieren.
Er kann Größen un-terscheiden, Reihenfolgen und einfache Kategorien
bilden.
Grob- und Feinmotorik
Till-Philipp hat seine Bewegungsökonomie und -geschwindigkeit
sowie Zielgerichtetheit soweit entwickelt, daß er an den Ball- und
Bewegungsspielen der Grundschüler teilnehmen kann.
In den Bereichen des vestibulären Systems hat er
deutliche Fortschritte gemacht. Pedalo fahren und Dosenstelzen laufen beherrscht
er mit nur noch wenig Hilfe. Im Bereich des proprio-zeptiven Systems zeigt
er noch immer Defizite. Kleine Höhenunterschiede überwindet er
auf allen Vieren und das Springen aus geringer Höhe beherrscht er
mit Hilfe.
Till-Philipp verfügt über eine differenzierte
Handfertigkeit und kann sämtliche im Unter-richt gebräuchlichen
Materialien sachgerecht handhaben.
Seine Auge-Hand-Koordination ist soweit entwickelt, daß
ihn das Anmalen von komplexen Formen, das gezielte Kleben, das Schneiden
auf der Linie, wie auch das Schreiben von Buchstaben und Zahlen ohne Führungslinien
immer besser gelingen.
Mathematik
Till-Philipp kann Mengen nach qualitativen und quantitativen
Eigenschaften vergleichen und unterscheiden. Im Zahlenraum bis 10 kann
er Mengen zuordnen sowie Größer-Kleinerbeziehungen angeben und
notieren.
Die Zahlen im ZR bis 12 benennt, liest und schreibt er
sicher, im ZR bis 20 noch nicht im-mer richtig.
Mit Hilfe und in handlungsorientierten Zusammenhängen
gelingt ihm die Zahlzerlegung im ZR bis 6.
Mengen mit Vorstellungshilfen (Würfelbilder) kann
er simultan aufnehmen.
Lesen/Schreiben
Till-Philipp kennt ca. 30 im Rahmen seines Leselehrgangs
behandelte Ganzwörter. Die meisten hat er ganzheitlich gespeichert
und kann sie erlesen. Den diesen Wörtern zugrunde liegenden Buchstabenbestand
beherrscht er, kann diesen erlesen, formgetreu aus dem Gedächtnis
verschrif-ten und verfügt über die zugehörigen Sprechbewegungsbilder.
Die im Lehrgang aktuell behandelten Wörter kann
er nach Vorlage und zum großen Teil nach Diktat verschriften. Die
Synthese der Wörter aus bekannten Buchstaben gelingt ihm nur mit Hilfe.
Buchstaben, Wörter und Sätze kann er formgetreu
nachspuren und nach Vorlage schreiben. Till-Philipp kann auf der Basis
des geübten Wortbestandes Sätze und kleine Texte erlesen und
sicher entsprechenden Bildern zuordnen.
Musische Fächer
An den rnusischen Fächem zeigt Till-Philipp besonderes
Interesse.
Freude zeigt er am Spiel mit Rhythmus- und Musikinstrumenten,
das er mit Hilfe und re-duzierten Anforderungen im Klassenverband praktiziert.
Mit der Klasse eingeübte Lieder versucht er mitzusingen.
Grundlegende künstlerische Techniken wie An- und
Abmalen, Zeichnen, Farbmischung, Schneiden, Kleben, Reißen, Plastizieren
etc. kennt und beherrscht Till-Philipp z.T. gut. So kann er im Rahmen seiner
Möglichkeiten und mit Hilfen am Kunst- und Werkunterricht der Klasse
teil-nehmen.
Am Textilunterricht nimmt er mit reduzierten Anforderungen
teil.
Sport
Mit besonderer Freude nimmt Till-Philipp am Sportunterricht
teil. Er ist zunehmend besser in der Lage an den Übungen und Spielen
der Mitschüler teilzunehmen, da er die Handhabung von Sportgeräten
wie Ball, Seil, Rollbrett, Pedalo etc. gelernt hat und Regeln ( wie z.B.
Anstellen in einer Riege) einhalten kann.
Zusammenfassung- und Ausblick
Till-Philipp hat sich in der Lerngruppe zu einem integrierten
Mitglied entwickelt und zeigt in allen schulrelevanten Bereichen gute Fortschritte.
Er hat von den Mitschülern lernen können und diese haben durch
ihn gelernt.
Es ist jedoch hervorzuheben, daß die beschriebenen
Erfolge in engem Zusammenhang ste-hen mit der Größe der Lerngruppe
(anfangs17 derzeit 15 Schüler) die das permanente gemeinsa-me Lernen
der behinderten und nichtbehinderten Kinder in einem Raum und die intensive
Förde-rung der sozialen Integration ermöglicht.
Von besonderer Bedeutung erscheint auch der Umfang der
Doppelbesetzung von Grund-schullehrerin und Sonderschullehrerin mit 15
Wochenstunden. Eine tatsächliche Förderung Till-Philipps ist
nur in den Stunden möglich, in denen sich eine Lehrkraft intensiv
und möglichst aus-schließlich um den Jungen kümmern kann.
In den Stunden, in denen eine einzelne Lehrerin alle Kinder betreut, ist
Till-Philipps Lernen sporadisch und wenig effektiv.
Förderlich für die Integration Till-Philipps
ist die Überschaubarkeit der Schule und die Be-reitschaft aller hier
arbeitenden Personen (einschließlich Hausmeister und Sekretärin)
sich auf die besonderen Bedürfnisse eines geistig behinderten Kindes
einzulassen und das Lernumfeld darauf-hin zu verändern.. In diesem
Zusammenhang sei verwiesen auf das enge Betreuungs- bzw. Kon-trollsystem,
dessen Till-Philipp bedarf um ihn vor für ihn reicht einschätzbaren
Folgen seines Handelns und seiner mitunter unvorhersehbaren Reaktionen
zu bewahren.
Um eine Kontinuität der Lernfortschritte in den
fachbezogenen Lernbereichen zu gewähr-leisten, erscheint eine möglichst
umfassende sonderpädagogische Betreuung dringend ratsam.
Braunschweig, den 17.12.1997
Unterschrift Sonderschulpädagogin
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Klassenlehrerin: Frau yyyyy Dienstbezeichnung: Lin für GS u. HS
Bezug: Klassenkonferenz vom 16. Februar 1998
| Personalien: | |||
| Name: | Spanier | Vorname: | Till-Philipp |
| geb. am: | 13.10.1987 | Geburtsort: | Wolfenbüttel |
| Lebensalter | 10 Jahre | Geschlecht: | männlich |
| Staatsangehörigkeit: | Deutsch | Religion | EV |
| PLZ: | Wohnort: | ||
| Straße: | Telefon: | ||
| Erziehungsberechtigte: | Hans-Peter u. Christel Spanier | ||
| Schule: | GS [Ortschaft] Klasse: 4a |
Schullaufbahn:
Beginn der Schulpflicht: 01.08.1994
Einschulung: 1994 in lntegrationsklasse der GS
[Ortschaft], zieldifferenter Unterricht nach den Rah-menrichtlinien der
Schule für Geistigbehinderte
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1. Begründung des Berichtes
Die Eltern wünschen die Fortsetzung der Integrationsbeschulung.
2. Rahmenbedingungen der Schule
Till-Philipp wird zieldifferent nach den Richtlinien der
Schule für Geistigbehinderte in der Integrations-klasse 4a gemeinsam
mit einem lernbehinderten Mädchen unterrichtet.
Die Grundschule [Ortschaft] ist eine zweizügige Grundschule
mit 184 Schülern. Der 4. Schuljahrgang ist mit der Integrationsklasse
dreizügig. Die Integrationsklasse wird seit ihrer Einrichtung von
der Grund-schullehrerin Frau yyyyy als Klassenlehrerin mit allen Fächern
geführt. Für die sonderpädagogische indivi-duelle Förderung
der beiden behinderten Schüler stehen für den Konzeptrahmen -
Teamarbeit / Doppelbe-setzung, gemeinsame Unterrichtung und Betreuung -
15 Wochenstunden durch die Sonderschullehrerin Frau xxxx zur Verfügung.
Während ihrer Mutterschutzzeit mit anschließendem Erziehungsurlaub
wurde sie von der Sonderschullehrerin Frau Rathenow vertreten. Ab dem 4.
Schuljahr findet Fachunterricht in den Fächern Sport, Textil und Musik
mit wechselnden Lehrkräften und teilweiser Betreuung durch die Sonderpädagogin
statt.
Die Lernumgebung ist den besonderen Erfordernissen einer
Integrationsbeschulung angepaßt worden. So steht der Klasse z.B.
ein Gruppenraum und zusätzliches Lernmaterial zur Verfügung.
Durch Wegzug ist die Klasssenfrequenz der Integrationsklasse von anfangs
17 auf inzwischen 15 Schüler und Schülerinnen abgesunken. Die
Kinder dieser Klasse kommen aus den zwei Wohnorten der beiden behinderten
Kinder, Gardessen und [Ortschaft] (wohnortnahe Integration). Ihre Eltern
haben sich nach Befragung durch die Grundschule freiwillig für die
Beschulung ihrer Kinder in einer lntegrationsklasse ausgesprochen und ste-hen
uneingeschränkt hinter dem Konzept dieser Integrationsbeschulung.
Die lntegrationsklasse verfügt über die Akzeptanz der gesamten
Schule, der Schüler, Eltern, Lehrer und des sonstigen Schulpersonals.
3. Bisherige Schullaufbahn
Till-Philipp hat vor der Schule keinen Kindergarten besucht.
Das Bemühen der Eltern, eine Integration be-reits im Kindergarten
zu erreichen, war erfolglos.
Till-Philipp wurde zum Schuljahr 94/95 gemeinsam mit
einem lernbehinderten Mädchen und 15 Grund-schülern in die erste
Klasse der Grundschule [Ortschaft] eingeschult.
Seitdem ist er mit seinen Mitschülern durch die
Grundschule gelaufen, unterrichtet nach den Rahmen-richtlinien der Schule
für Geistigbehinderte, Unterstufe, jetzt zunehmend Mittelstufe.
4. Vorstellungen und Wünsche der Erziehungsberechtigten
Die Eltern wollten und wollen in letzter Darstellung vom 13.02.1998:
„Mit einer zieldifferenten Integrationsbeschulung für
Till-Philipp in einer Integrierten Gesamtschule er-fährt der mit Schuljahr
1994195 begonnene Weg seine konsequente Fortführung. Wir haben erkannt,
daß damit ein Abweisen unseres behinderten Sohnes als Mitglied der
Gesellschaft am geeignetsten begegnet werden kann. Mit der bisherigen erfolgreich
verlaufenen Integration in der Grundschule [Ortschaft] findet dies seine
Bestätigung.
Unser Ziel für Till-Philipp ist ein für ihn
eigenständiges Leben im Rahmen seiner Möglichkeiten, die durch
den Schulbesuch und Umgang mit nichtbehinderten Kindern beständig
erweitert werden. Wir wissen, daß er auch den Umgang mit seinesgleichen
braucht. Daß er auch als Erwachsener einer Betreuung bedarf, ist
uns bekannt und wird zu gegebener Zeit berücksichtigt werden. Vorrangig
geht es uns aber um seine Fähigkeit, als geistig Behinderter in unserer
Gesellschaft ohne Schwierigkeit bestehen zu können. Das geht nicht
ohne Bildung und Einsicht auf beiden Seiten. Somit ist Integration auch
ein Angebot an die Gesell-schaft, jene mit aufzunehmen und ihnen ihren
Wert anzuerkennen, die besser auszustatten die Natur ver-säumt hat.
Wir möchten dazu einen Beitrag leisten und verstehen uns deshalb auch
als Wegbereiter in ei-ne menschlichere Gesellschaft. Die Zeichen der Zeit,
wie z.B. die Bioethik-Konvention des Europarates, sind uns da Mahnung genug.
Wir erhoffen uns für Till-Philipp einen Bildungsstand,
der ihn befähigen wird, eine Berufsausbildung zu durchlaufen. Dabei
denken wir nicht unbedingt an eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung,
aber doch an eine Befähigung, durch seiner Hände Arbeit seinen
Lebensunterhalt eigenständig zu verdienen.“
5. Bisherige Entwicklung des Schülers
Till-Philipp wird zieldifferent nach den Rahmenrichtlinien
der Schule für Geistigbehinderte unterrichtet. Von der gezielten sonderpädagogischen
Betreuung der beiden Kinder mit sonderpädagogischem Förderbe-darf
entfallen auf Till-Philipp ab dem 3. Schuljahr ca. zwei Drittel zur direkten
Förderung von entwick-lungsorientierten Lernvoraussetzungen, in individuell
strukturierter Lehrgangsarbeit und in erziehlich pädagogischen Raum
zur Unterstützung seiner Mitarbeit im Klassenverband. Seine vorschulische
familiä-re Sozialisation verpflichtete Schule zur anfänglichen
Schwerpunktbildung: Aufbau seiner Kontakt- , In-teraktions- und Kooperationsfähigkeit.
Till-Philipp wurde ein vollintegriertes Mitglied seiner Lerngruppe, und
er hat es gelernt, mit seinen Mitschülern sozial zu agieren.
(Vergleiche: Punkt 6. 2. Sozialverhaiten ).
Im Laufe seiner Schulzeit ist es Till-Philipp immer besser gelungen, Gesetze und Pegeln einzuhalten. Er benötigte bei auftretenden Schwierigkeiten Regelungsstützen. Das schulische Regelwerk adaptiert er durch Nachahmung seiner Mitschüler, dies zeigt sich u.a. bei schulischen Veranstaltungen, an denen er inzwischen konzentriert teilnimmt
6. Lernvoraussetzungen, Arbeits- und Sozialverhalten,
Lernstand, Lern- und Leistungs-verhalten
6.1. Arbeits- und Lernverhalten
Till-Philipp kann mit motivierenden Inhalten bei guter
Anstrengungsbereitschaft 20 Minuten selbständig arbeiten. Sein Arbeitstempo
schwankt je nach Impulsqualität der Inhalte, innerer Bereitschaft
und echter Begleitung.
Die Stunden, in denen er mit der Klasse von nur einer
Lehrkraft betreut wird, nutzt er i.d.R. zum freien Spiel in der eigens
für ihn eingerichteten Spielecke oder er bearbeitet kleine Aufgaben
nach bekanntem Muster selbständig, möchte sich dabei begleitet
fühlen durch die Lehrkraft. Die anderen Kinder unterstüt-zen
die Lehrkraft und helfen ihm angemessen. Till-Philipp hat gelernt, über
einen längeren Zeitraum in der Lesezone die Fotoalben, die die wichtigen
Stationen der lntegrationsklasse zeigen, zu betrachten oder sich mit Bilderbüchern
zu beschäftigen.
Bei fächerübergreifenden Inhalten versucht Till-Philipp
im Klassenverband mitzuarbeiten, indem er sich an seinen Mitschülern
orientiert. Auch sonst lernt er vieles über die Nachahmung der anderen
Kinder.
Till-Philipp kann sich im Schulgebäude und im Pausenbereich
weitgehend selbständig. bewegen und kann kleine Aufträge angemessen
ausfahren.
Besonders gern erledigt Till-Philipp überschaubare Hausaufgaben; dabei läßt er sich gern von seiner Mut-ter helfen.
6.2. Sozialverhalten
Till-Philipp ist wie auch das lernbehinderte Kind voll in die Klasse integriert. Das soziale Klima der Klasse ist geprägt von gegenseitiger Toleranz, Rücksichtnahme und Hilfe; jedes Kind wird in seiner Individualität mit Stärken und Schwächen akzeptiert. Alle Kinder gehen freundlich und einfühlsam miteinander um. Lernfortschritte und gelungene Aktionen der beiden behinderten Kinder werden mit Anerkennung und sogar mit Stolz von den anderen Kindern der Klasse honoriert.
Till-Philipp pflegt gute Kontakte zu allen Mitschülern. Er sucht sich für Aktivitäten im Klassenverband Arbeitspartner. Zu einigen Mitschülern hat er eine freundschaftliche Beziehung - auch im Freizeitbereich. Er liebt es, die Kinder zum Lachen zu bringen. Wenn sie traurig sind, tröstet er sie liebevoll. Er hat durch gezielte Übungen eine Vorstellung von „Vorsicht“ und „zärtlich“ entwickelt und kann in seinen Kräften bei Umarmungen und Tröstungen zu dosierten Ausformungen finden.
In den Pausen sucht sich Till-Philipp gezielt Spielpartner.
Er hat Vorlieben für bestimmte Klassenkamera-den und für Kinder
der unteren Jahrgangsstufen entwickelt, mit denen er im Sandkasten, mit
dem Roll-brett oder auf dem Klettergerüst spielt. Er kann Spielsituationen
initiieren und verändernd auf sie einwir-ken. Dabei kommt es manchmal
zu Konflikten, wenn er nicht erkennt, daß ein Spiel zu Ende ist oder
wenn er die Spielregeln nicht durchschaut (z.B. Unterscheidung von Spaß
und Ernst). Beweint ein Kind seine Konfliktlösungsformen, tut es ihm
leid, und er entschuldigt sich. Die Mitschüler der Klasse haben es
gelernt, in solchen Situationen in adäquater Weise mit ihm umzugehen
und leiten auch die anderen Kin-der der Schule zu angemessenen Reaktionen
an.
Till-Philipp hat ein anhängliches Verhältnis
zu den beiden ihn in der Klasse betreuenden Lehrerinnen. Al-len anderen
Lehrerinnen, auch im Fachunterricht, sonstigem Schulpersonal und Besuchern
begegnet er stets freundlich offen. Ein besonderes, freundschaftliches
Verhältnis hat er zum Schulhausmeister entwik-kelt.
6.3. Lernvoraussetzungen und Lernstände:
6.3.1. Entwicklungsorientierte Lernbereiche
Grob- und Feinmotorik
Till-Philipp hat seine Bewegungsökonomie und -geschwindigkeit
sowie Zielgerichtetheit soweit entwik-kelt, daß er an den Ball- und
Bewegungsspielen der Grundschüler teilnehmen kann.
Auch bei Bewegungsformen, die den Gleichgewichtssinn
beanspruchen, hat er deutliche Fortschritte ge-macht. Pedalo fahren und
Dosenstelzen Laufen gehören zu motorischen Lieblingsbeschäftigungen,
die er in der Regel fast ohne Hilfe bewältigt.
Till-Philipp verfügt über eine differenzierte
Handfertigkeit und kann sämtliche im Unterricht gebräuchli-chen
Materialien sachgerecht handhaben .
Seine Auge-Hand-Koordination ist soweit entwickelt, daß
ihm das Anmalen von komplexen Formen, das gezielte Kleben, das Schneiden
auf der Linie, wie auch das Schreiben von Buchstaben und Zahlen ohne Führungslinien
immer besser und schneller gelingen.
Wahrnehmung / Denken
Till-Philipp ist in der Lage, Vorhaben und Handlungseinheiten
aus dem Lernzielkonzept „Unterstufenar-beit mit einem geistigbehinderten
Schüler“ zu planen und umzusetzen. Es gelingt ihm, eigene Ideen ande-ren
gegenüber zu artikulieren und durchzusetzen. Er verfügt inzwischen
über eine Reihe von Problemlö-sungsstrategien und kann Handlungsalternativen
gezielt wählen. Er ist auf dem Wege, mögliche Konse-quenzen des
eigenen oder auch fremden Handelns im Raum gestalteter Pädagogik richtig
einzuschätzen.
Till-Philipp kennt Formen und Farben und kann diese differenzieren.
Er kann Größen unterscheiden, Rei-henfolgen und einfache Kategorien
bilden.
Sprache / Kommunikation
Till-Philipp erweitert seine Sprachkompetenz in allen
Bereichen kontinuierlich. Er kann sich mit Hilfe ein-fach strukturierter
Sätze (i.d.R. Dreiwortsätze) situationsangemessen mitteilen,
gezielt Hilfe erbitten, Wünsche und Bedürfnisse artikulieren.
Immer besser gelingt es ihm, Fragen zu formulieren und entspre-chend zu
betonen.
Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln sowie
Höflichkeitsausdrücke beherrscht er und verwendet sie zumeist
situationsadäquat.
Mit Hilfe versucht er, in Gesprächskreisen sachgebunden
zu erzählen und sich an Gesprächsregeln zu hal-ten.
Till-Philipp versteht Aufforderungen sowie Lob und Verbote
und kann angemessen differenzieren und reagieren. Dabei nutzt er die Fähigkeit,
unterschiedliche Stimmodulationen richtig zu deuten.
6.3.2. Handlungsorientierte Lernbereiche
Selbstversorgung
Till-Philipp hat während der Schulzeit in den lebenspraktischen
sowie schulrelevanten Bereichen deutlich an Selbständigkeit gewonnen.
Er erledigt die Anforderungen im Hygienebereich ohne Aufforderung und weitgehend
ohne Hilfe. Für seine Toilettengänge nimmt er sich gern viel
Zeit. Das An- und Auskleiden gelingt ihm weitgehend selbständig. Beim
Zuknöpfen der Hose, Binden der Schleife und Schließen von Reißverschlüssen
benötigt er noch Hilfe.
Bei Ausflügen und Unterrichtsgängen fügt
sich Till-Philipp gut in die Gruppe ein. Er kann zunehmend auf unmittelbare
Hilfe durch eine Lehrerin verzichten. Im Straßenverkehr benötigt
er deutliche Orientierungs- und Regelungshilfen.
Den Schulweg bewältigt er in Begleitung seiner Mutter zu Fuß. Für den Weg zum Sportplatz benötigt er ebenfalls Begleitung. Er kann nach rechts und links schauen und weiß, daß er die Straße nur dann über-queren darf, wenn kein Auto kommt. Diese Technik muß weiterhin stabilisiert werden.
Innerhalb des Tagesgeschäftes in der Klasse kann Till-Philipp inzwischen alle an ihn gestellten Anforde-rungen erfüllen : z.B. Frühstückstisch decken, Kakao holen, Müll (getrennt) entsorgen, Tischgewohnhei-ten einhalten, Arbeitsplatz einrichten, Materialien besorgen, Arbeitsblätter abheften, Bücher ausleihen etc., Ordnung schaffen, z.B. Abräumen des Frühstückstisches, Einräumen des Ranzens, Aufräumen der Spielecke u.ä. gelingt nach gezielter Aufforderung.
Spielen
Mit Freuden nimmt Till-Philipp an Klein- und Großgruppenspielen
teil. Er kennt grundlegende Regeln und kann sich daran halten, wenngleich
er immer wieder versucht, diese auf seine Bedürfnisse hin zu ver-ändern.
In Freispielphasen beschäftigt er sich gern mit
Handpuppen und Bauklötzen in seiner Spielecke oder er sieht sich Bücher
und Fotoalben an. Er malt gerne und erzählt zu seinen Bildern. Er
schreibt auch Briefe, indem er die Schrift in kritzelnder Form nachahmt.
Im Einzelspiel in den Pausen sucht er sich oft Dosenstelzen
oder ein Springseil aus (Gruppenspiel s. Punkt Sozialverhalten).
6.3.3. Fachorientierte Lernbereiche (übernommen
aus dem letzten Zeugnis)
Mathematik
Die Zahlen im ZR bis 12 benennt, liest und schreibt Till-Philipp
sicher im ZR bis 20 noch nicht immer richtig.
Mengen mit Vorstellungshilfen (Würfelbilder) kann
er simultan erfassen.
Er kann Mengen nach qualitativen und quantitativen Eigenschaften
vergleichen und unterscheiden. Im ZR bis 10 kann er Mengen zuordnen sowie
Größer-Kleinerbeziehungen angeben und notieren. Mit Hilfe und
in handlungsorientierten Zusammenhängen gelingt ihm die Zahlzerlegung
im ZR bis 6. Er kann an einem Uhrenschema die vollen Stunden ablesen und
bei vorgegebenen Zahlen die Zeigerstellung notieren.
Lesen/Schreiben
Till-Philipp kennt ca. 30 im Rahmen seines Leselehrgangs
behandelte Ganzwörter. Die meisten hat er ganzheitlich gespeichert
und kann sie erlesen. Den diesen Wörtern zugrunde liegenden Buchstabenbe-stand
beherrscht er, kann diesen erlesen, formgetreu aus dem Gedächtnis
verschriften und verfügt über die zugehörigen Sprechbewegungsbilder.
Die im Lehrgang aktuell behandelten Wörter kann
er nach Vorlage und zum großen Teil nach Diktat ver-schriften. Die
Synthese der Wörter aus bekannten Buchstaben gelingt ihm mit Hilfe.
Buchstaben, Wörter und Sätze kann er formgetreu
nachspuren und nach Vorlage schreiben. Dabei gelingt ihm die Einhaltung
der Linien immer besser.
Till-Philipp kann auf der Basis des geübten Wortbestandes
Sätze und kleine Texte erlesen und sicher ent-sprechenden Bildern
zuordnen.
Musik / Rhythmik
Till-Philipp zeigt grundsätzlich Interesse und große
Freude an musikalischem Tun.
In das Klassenmusizieren wird er integriert. Viel Spaß
hat er an rhythmischen Bewegungsspielen. Er kann die musikalischen Parameter
Lautstärke, Tempo, Steigerung in Bewegungsformen umsetzen und auf
den Instrumenten hörbar machen. Mit Unterstützung kann er einfache
regelmäßige Rhythmen annähernd gleichmäßig auf
Instrumenten schlagen. Da ihm das Spielen auf Instrumenten Spaß macht
und er sich dabei an seinen Mitschülern orientieren kann, gelingt
ihm das Einhalten musikalischer Regeln zunehmend besser. So kann er abwarten
bis er an der Reihe ist und den Wechsel zwischen musikalischem Spiel und
Pause recht gut einhalten.
Kunst
Till-Philipp hat besonderes Interesse am Kunstunterricht.
Der Umgang mit Farben und Formen bereitet ihm Freude. Grundlegende Techniken
wie An- und Abmalen, Zeichnen, Farbmischung, Schneiden, Kle-ben, Reißen
kennt und beherrscht er z.T. gut Er kann mit großen und kleinen Pinseln
großflächig malen und gegenständlich zeichnen.
Zunehmend besser gelingt es ihm, themengebunden zu malen.
Insbesondere Menschendarstellungen wie z.B. „Weihnachtsmann“und „Clown“
vermag er gut umzusetzen.
Malt Till-Philipp frei, erzählt er in seinen zumeist
ein- oder zweifarbigen Bildern Geschichten oder kon-krete Situationen,
die er mit Freude versprachlicht.
Werken
Till-Philipp hat Freude am praktischen Tun und am Umgang
mit verschiedenen Werkstoffen und Werk-zeugen.
Er kann mit z.T. reduzierten Anforderungen und Hilfen
am Werkunterricht der Klasse teilnehmen.
Mit Hilfe hat er einen Schneemann aus Sperrholz ausgesagt,
zusammengeklebt und angemalt.
Das Plastizieren mit verschiedenen Materialien wie Ton
oder Salzteig macht ihm viel Spaß. Er kann
die Masse zu Rollen und Kugeln formen. Auf der Basis
dieser Grundformen kann er mit Hilfen Gegen-stände herstellen.
Den durch seine freie Materialbearbeitung entstandenen
Gebilde gibt er durch seine Bezeichnung Gegen-ständlichkeit, z.B.:
Baby, Affe, Klo.
Textiles Gestalten
Eifrig hat Till-Philipp gemeinsam mit seinen Mitschülern
erste Häkelversuche unternommen und hat den Umgang mit Wolle unterschiedlicher
Qualität und Farbe durch Knoten, Flechten, Wickeln und Kleben er-probt.
Intensiv hat er im Rahmen des Textilunterrichtes geübt,
Knöpfe, Reißverschlüsse, Bänder zu handhaben. Mit
Freuden stellt er Schnüre aus Knoten her.
Sport
Till-Philipp nimmt mit besonderer Freude am Sportunterricht
und soweit möglich an den Übungen und Spielen der Lerngruppe
teil.
Er kann sich in der Riege anstellen und warten, bis er
an der Reihe ist.
Gemeinsam mit der Lerngruppe hat er die Rolle vorwärts,
das Radschlagen und den Handstand geübt. Die Rolle beherrscht er fast
ohne Hilfe.
Das Seilspringen bereitet ihm viel Spaß. Er bemüht
sich, mit dem Seil auf der Stelle zu springen und zu laufen.
An den Lauf- und Fangspielen der Lerngruppe nimmt er
gerne teil, indem er durch Nachahmung seiner Mitschüler partizipiert
Im Umgang mit dem Ball ist er noch sicherer geworden,
kann ihn kullern, werfen, prallen und in Ansät-zen fangen.
Hauswirtschaft
(siehe Punkt „Selbstversorgung“!)
Teilnahme an Koch-AG
Till-Philipp nimmt mit Begeisterung an der Koch-AG teil.
Es gelingt ihm, mit seinen Mitschülern in einer Arbeitsgruppe produktiv
und eifrig mitzuarbeiten. Z. B. kann er gut Zutaten für den Salat
zerschneiden. Beim Backen von Weihnachtsgebäck rollte er den Teig
aus und stach Plätzchen aus.
7. Bisherige zusätzliche Fördermaßnahmen
Laut Aussage der Eltern nahm Till-Philipp vom März
bis August 1993 einmal wöchentlich an einer Sprachtherapie teil, die
auf Anraten des Therapeuten im Hinblick auf die im Folgejahr anstehende
Ein-schulung nicht weitergeführt wurde.
Till-Philipp ist während des 1. Schuljahres im schuleigenen
Sprachsonderuntenicht (Dysgrammatismus, Dyslalie) zusätzlich gefördert
worden.
Seit etwa zwei Jahren sind die Eltern bemüht, Till-Philipp
Schwimmunterricht erteilen zu lassen. Ein ge-zielter Schwimmunterricht
wurde vor kurzem vom Schwimmeister noch nicht für ratsam gehalten,
da Till-Philipp noch weiterhin Wasser gewöhnt werden soll.
Nach Aussage der Eltern ist erneut logopädischer
Unterricht vorgesehen.
8. Zusammenarbeit Schule - Eltemhaus
Vor Beginn der Integration haben beide Lehrerinnen Till-Philipp
in seiner häuslichen Umgebung besucht.
Im 1. und 2. Schuljahr fanden im Halbjahresrhythmus Lehrer-Elterngespräche
statt.
Da die Mutter ihren Sohn täglich zu Schule bringt
und ihn wieder abholt, ergaben und ergeben sich lau-fend Gespräche
mit beiden Lehrerinnen, durch die wichtige Informationen in beide Richtungen
ausge-tauscht werden. An den zahlreichen Elternabenden und den obligatorischen
Elternsprechtagen haben die Eltern Spanier immer teilgenommen.
Der Vater hat sich für die Schule im Rahmen des vom Land geförderten Schulprojektes ,,Moderne Schule“ sehr engagiert, indem er die gesamte Software-Installation an den für allen Klassen angeschafften Compu-tem übernahm und das Kollegium im Rahmen einer SchiLF in deren Handhabung einwies. Bei diesem Projekt ergaben sich zahlreiche informelle Kontakte, in denen auch Fragen bzgl. der Integration konstruk-tiv und offen behandelt wurden.
9. Verlauf der Integration
Vor Einrichtung der Integrationsklasse an der GS [Ortschaft]
haben die Klassenlehrerin und die Sonder-schullehrerin gemeinsam mit der
Schulleitung ein pädagogisches Konzept erarbeitet.
Dieses Konzept konnte weitgehend verwirklicht werden.
In den ersten Schulwochen gab es vielgestaltige Bemühungen, Till-Philipp an den Umgang mit den Schul-kindern zu gewöhnen.
In die Lerninhalte des ersten und zweiten Schuljahres
konnten beide behinderten Kinder mit den Aufga-ben, die ihren Richtlinien
entsprachen, gut integriert werden; dabei war die auf die Integrationsklasse
ab-gestimmte Unterrichtsform (Freiarbeit, offener Unterricht) hilfreich.
Im dritten und jetzt im vierten Schuljahr wird die Integration
besonders in den lehrgangsabhängigen Fä-chern aufwendiger, weil
die nichtbehinderten Kinder leistungsbezogener auf die Orientierungsstufe
vorbe-reitet werden wollen. Parallel zu den Lehrgängen ist eine individuelle
Lernfeldgestaltung der behinderten Kinder notwendig.
Die geringe Schülerzahl der Klasse ermöglicht binnendifferenziertes Lernen, so daß sich alle Schüler in ei-nem Raum zur selben Zeit als unterschiedlich arbeitend erleben: Alle Schüler sind diese toleranzgetragene Arbeitsform gewohnt und lassen sich gegenseitig nicht stören oder ablenken. Ungeplantes gemeinsames Lernen ergibt sich oft von allein. Bei Klassenarbeiten weicht die Sonderschullehrerin in den Gruppenraum aus. Problematisch ist Vertretungsunterricht, da die Vorbereitung auf den Unterricht nach drei unter-schiedlichen Richtlinien erfolgen muß und festgelegten Rituale, die den Unterrichtstag der Klasse be-stimmen, eingehalten werden sollten. Es ist nicht einfach für eine Vertretungskraft, ein Mitglied des ein-gearbeiteten Lehrerteams zu ersetzen.
Anlagen
Zeugnisse des 3. Schuljahres
(Grundschuilehrehn)

Sozial- und Verhaltensaspekte
Till-Philipp kann bei motivierenden Inhalten und guter
Tagesform bis zu 20 Minuten selbständig arbeiten. Mitunter
bedarf er jedoch über einen ganzen Schultag hinweg der direkten Aufmerksamkeit
einer Lehrerin, Verbal haben wir es anders
gesagt bekommen. da seine Arbeits- und Lernbereitschaft
sowie sein Arbeitstempo in Abhängigkeit von der jeweiligen Tagesform
stehen und entsprechend schwankend sind. Die im ersten
Schulbesuchsjahr häufigen Leistungsverweigerungen Till-Philipps sind
selten geworden und lassen sich zumeist durch
ein Angebot von Alternativen oder Belohnungen auflösen. Es
ist generell zu fragen, ob bei einer Trisomie 21 überhaupt von einer
Leistungsverweigerung die Rede sein kann, Leistungsverweigerung setzt Leistungsbewußtsein
voraus. Warum so nachtragend?
Ein Problem stellte und stellt
für Till-Philipp noch immer die Einhaltung gesetzter Regeln und die
Akzeptanz von Verboten dar. Weiter unten
heißt es: »Till-Philipp versteht Aufforderungen sowie Lob und
Verbote und kann angemessen darauf reagieren«! Hält er nun Regeln
ein oder nicht?? Von daher
muß ein hoher Aufmerksamkeits- und Betreuungsumfang gewährleistet
sein. Wie konnte er da in 1995 vom Schulhof
laufen? Siehe Fußnote 4. Inzwischen steht diese Aussage im
Widerspruch zu den Zeugnisangaben und in keinem Verhältnis zu den
Angaben bei den Mutter-Lehrer-Gesprächen.
Die Stunden, in denen er mit der Klasse von nur einer
Lehrkraft betreut wird, nutzt er i.d.R. zum freien Spiel in der eigens
für ihn eingerichteten Spielecke oder er bearbeitet (max.
20 Minuten) kleine Aufgaben nach bekanntem Muster selbständig,
fordert jedoch beständig die Aufmerksamkeit
und Zuwendung der einen Lehrkraft. Wird ihm diese
nicht gegeben, ist er i.d.R. nicht mehr zu effektiver Arbeit zu bewegen.
Zuhause ist dies kein Problem! Es wird in der
Schule unterschiedlich gewertet (vergleiche Bericht der Klassenlehrerin).
Till-Philipp hat mitunter noch
Schwierigkeiten mit der Akzeptanz von Eigentum anderer. Insbesondere wenn
er sich unbeobachtet fühlt, neigt er dazu, Arbeitsmaterialien, Spielzeug
oder auch Kleidungsstücke, die ihn interessieren, an sich zu nehmen
(sein eigener Ausdruck -. zu „mopsen“). Er
ist offensichtlich das einzige Kind der Lerngruppe, bei dem eine „Minikriminalisierung“
gerechtfertigt erscheint! Hier ist entsprechend seiner Entwicklungsstufe
der Maßstab verfehlt worden. Es ist für ihn immer eine Art Spiel,
aus unserer Sicht kommt es nur noch selten vor!
Das hat insbesondere in der ersten Zeit jetzt
auch noch? Welches Ziel wird mit dieser Aussage verfolgt?
der gemeinsamen Beschulung zu Ängsten und Aggressionen
bei den Nichtbehinderten geführt. Inzwischen können die Kinder
angemessen und gelassen reagieren. Manchmal
Welches Ziel wird mit dieser Aussage verfolgt?
ist er auch in der Lage, unaufgefordert darum zu bitten, einen Gegenstand
nehmen (angebahnter Ausdruck: „ausleihen“) zu dürfen. I.d.R. wird
er von Kindern wie Lehrerinnen dafür gelobt und sein Wunsch wird erfüllt.
Andererseits ist zu
beobachten, daß er z.B. im Pausenbereich Kindern Gegenstände
gegen ihren Willen wegnimmt. Hier wird
zu einseitig berichtet, Vorfälle dieser Art blieben von der Schulleiterin
bisher unbestätigt. Nicht beobachtet wurde offensichtlich, daß
ihm gegen seinen Willen seine Handpuppen in der Pause über den Zaun
geworfen wurden, so daß er unbewußt das Risiko des unerlaubten
Verlassens des Pausenhofes einging.(4)
Vielleicht hat er hier am Modell derer gelernt, die ihm die Handpuppen
über den Zaun warfen!
Die Lernumgebung ist im wesentlichen den besonderen Erfordernissen
angepaßt worden. So mußten diese
Anfangsphase ist doch längst abgeschlossen!
z.B. die Seifenspender ungefüllt bleiben,
weil Till-Philipp sie sonst entleerte, die Steckdosen
mußten mit Kindersicherungen versehen werden, im
häuslichen Bereich nicht! Warum ist dann die Steckdose in seiner
Spielecke (in Spielhöhe) nie gesichert worden
weil Till-Philipp sich mehrfach an ihnen zu schaffen
machte (um sie zu reparieren), Farben müssen unter Verschluß
gehalten werden, weil Till-Philipp mit ihnen die Wände der Klasse
verzierte zu Hause macht er das nicht
u.v.m.. WAS DENN
NOCH!!! wir bitten um eine Aufklärung.
Till-Philipp kann sich im Schulgebäude und im Pausenbereich
weitgehend Einschränkung
gegenüber dem letzten Zeugnis. selbständig
bewegen und kann kleine Aufträge angemessen ausführen. Angesichts
seiner mitunter nicht vorhersehbaren Reaktionen ist ein enges Kontrollsystem
jedoch unerläßlich. Dieser
Satz widerspricht dem Satz davor, WARUM dieser Widerspruch. Einer Reaktion
geht eine Aktion voraus, welcher Art sind die Aktionen und von wem gehen
sie aus? Warum wurden in seinen Zeugnissen darüber keine Angaben gemacht?
In den Pausen sowie im Unterricht sucht Till-Philipp
sich gezielt Spiel- und Arbeitspartner. Dabei hat er Vorlieben für
bestimmte Klassenkameraden und im Pausenbereich für Kinder der unteren
Jahrgangsstufen entwickelt. Er kann Spielsituationen initiieren und verändernd
auf sie einwirken. Mitunter führt seine mangelnde Fähigkeit,
Spielsituationen zu durchschauen (z.B. Unterscheidung von spaßhaftem
Toben und verletzendem Kämpfen) im Zusammenhang mit seinem gelegentlichen
Kräfteüberschuß zu Konflikten
mit Mitschülern. Es führt nach dem
Bericht der Klassenlehrerin manchmal zu Konflikten,
wie unter nichtbehinderten Kindern auch.
Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus
Die Eltern Till-Philipps zeigen sich sehr interessiert
an der schulischen Entwicklung ihres Sohnes. Sie sind jederzeit bereit
zu Gesprächen mit den Lehrerinnen und leisten gern jede erbetene Unterstützung
zur Verwirklichung von Unterrichtsvorhaben.
Es ist anzumerken, daß die
den Eltern seit der 2. Klasse empfohlenen und aus sonderpädagogischer
Sicht notwendigen außerschulischen Fördermaßnahmen (psychomotorische,
ergotherapeutische und logopädische Förderung) nach meiner Kenntnis
noch nicht erfolgt sind. Die beste Therapie
vermag keine Trisomie 21 zu beseitigen oder zu mindern!(5)
Wir haben auch den als dringlich vorgetragene Rat, mit Till-Philipp zur
Erziehungsberatung zu gehen, unbeachtet gelassen, da unsereseits dazu keine
Veranlassung bestand und noch besteht. Wir haben nichts gegen Förderung,
wir sind aber auch bemüht, eine Überforderung zu vermeiden.
Lernvoraussetzungen und Lernstände
Selbstversorgung
Till-Philipp hat in den lebenspraktischen sowie schulrelevanten
Bereichen ein deutlich höheres Maß an Selbständigkeit erlangt
als zu Beginn der Schulzeit. Er erledigt die Anforderungen im Hygienebereich
ohne Aufforderung und weitgehend ohne Hilfe
Zeugniszitat: und ohne Hilfe
jedoch noch nicht in angemessener Zeit Wo
liegt die Norm? ( ca. 15 bis 25 Minuten pro
Toilettengang). Das An- und Auskleiden gelingt ihm weitgehend selbständig.
Lediglich beim Zuknöpfen der Hose, Binden der
Schleife und Schließen von Reißverschlüssen benötigt
er noch Hilfe. Vergleich mit welcher Norm?
Bei Ausflügen und Unterrichtsgängen fügt
sich Till-Philipp gut in die Gruppe ein und braucht nicht mehr ständig
die unmittelbare Hilfe durch eine Lehrerin.
Im Straßenverkehr ist sein
Verhalten noch nicht regelgerecht. Entwicklungsgerecht?
Er beherrscht auch nach expliziter Übung mit
einer Lehrerin über ein Schulhalbjahr Ist
ein ca. dreimaliges Begleiten des Schulweges der Lehrerin im Schulhalbjahr
explizit? nicht
den Schulweg durch das Dorf sowie den nur wenige hundert Meter langen Weg
zum Sportplatz. Er kann nach rechts und links schauen und weiß, daß
er die Straße nur dann überqueren darf, wenn kein Auto kommt.
Er kann es jedoch nur auf nachdrückliche Aufforderung hin.
Seine Entwicklungsverzögerung bezieht sich
auch auf die Erkennung von Gefahren.
Innerhalb des Tagesgeschäftes in der Klasse kann
Till-Philipp inzwischen alle an ihn gestellten Anforderungen erfüllen:
z.B. Frühstückstisch decken, Kakao holen, Müll (getrennt)
entsorgen, Tischgewohnheiten einhalten, Arbeitsplatz
einrichten, Materialien besorgen, Arbeitsblätter abheften, Bücher
ausleihen etc.. Ordnung schaffen, z.B. Abräumen des Frühstückstisches,
Einräumen des Ranzens, Aufräumen der Spielecke u.ä. gelingt
zumeist nur nach mehrfacher Aufforderung und mit Hilfe. Zeugniszitat:
Selbständig erledigt Till-Philipp ... - ... manchmal noch mit Hilfe
Spielen
Mit Freuden nimmt Till-Philipp an Klein- und Großgruppenspielen
teil. Er kennt grundlegende Regeln und kann sich daran halten, wenngleich
er immer wieder versucht, diese auf seine Bedürfnisse hin zu verändern.
Er tut dies auch bei uns, wenn er die gesetzten
Regeln noch nicht versteht!
In Freispielphasen beschäftigt er sich gern mit
Handpuppen und Bauklötzen in seiner Spielecke oder er sieht sich Bücher
und Fotoalben an.
In den Pausen sucht er sich oft Dosenstelzen oder ein
Springseil aus.
Wenn er mit anderen, meist jüngeren
Schülern im Sandkasten oder auf dem Klettergerüst spielt, entstehen
mitunter dadurch Konflikte, daß Till-Philipp Spielregeln nicht durchschaut
bzw. für sich akzeptiert, Frage
des Bewußtsein!
daß er in der Freude am Spiel seine Kräfte nicht zu dosieren
vermag, oder daß er die Belange der anderen Kinder (z.B. ein Spiel
zu beenden) nicht wahrnimmt. Er wird z.B. oft von anderen Kindern aufgefordert,
sie vom Sandkastenrand zu schubsen. Das macht allen Spaß, auch wenn
er damit zunächst nicht aufhört, wenn von den anderen das Spielende
bestimmt wird. Für ein daraus möglicher Konflikt wird hier offensichtlich
Till-Philipp die Verantwortung zugeschrieben! Vielleicht muß das
Spiel auf eine andere Art beendet werden!
Soziale Beziehungen
Till-Philipp geht auf Kinder der Lerngruppe und der Schule
offen zu, nimmt Kontakt auf und fordert zu konkreten Spielsituationen auf.
Er liebt es, die Kinder zum Lachen zu bringen und durch von ihm als solche
empfundene „Späßchen“ im Mittelpunkt zu stehen. Till-Philipp
zeigt eine gute Empathiefähigkeit. Weinende Kinder vermag er liebevoll
zu trösten.
Zu den beiden Lehrerinnen der Klasse hat er einen intensiven
Kontakt, der sich im vertrauten Umgang miteinander sowie der Herstellung
körperlicher Nähe durch Till-Philipp ausdrückt. Er
nimmt auch zu anderen Lehrerinnen der Schule und zum Hausmeister Körperkontakt
auf, wenn er getröstet werden möchte. Er
nimmt Kontakt auf mit dem Hausmeister, aber nicht nur wenn er Trost braucht.
Die Erwachsenen in der Schule nehmen mit ihm Körperkontakt auf, wenn
sie ihn mit Handschlag begrüßen! Nach unserer Beobachtung hat
der Hausmeister eine außerordentlich gute Art, mit Till-Philipp umzugehen,
auch wenn Till-Philipp keinen Trost braucht. Siehe Bericht der Klassenlehrerin!
Seine Eigenart, Nähe zu den Kindern durch z.T. zu
starke Umarmungen Es
ist allgemein bekannt, daß Kinder mit Trisomie 21 ihre Kräfte
lange Zeit nicht unter Kontrolle haben. herzustellen,
hat Till-Philipp weitgehend abgebaut. Nur noch selten
Warum dann noch erwähnenswert?
muß diesbezüglich eine Lehrerin eingreifen und ein Kind aus
seiner (liebevoll gemeinten!) Umklammerung befreien. Er hat durch gezielte
Übungen eine Vorstellung von „Vorsicht“ und „zärtlich“ entwickelt.
Sprache / Kommunikation
Till-Philipp erweitert seine Sprachkompetenz in allen
Bereichen kontinuierlich. Er kann sich mit Hilfe einfach
strukturierter Sätze oder Satzfragmente (i.d.R. Dreiwortsätze)
situationsangemessen mitteilen Zeugniszitat:
Till-Philipp kann sich sprachlich situationsangemessen mitteilen.,
gezielt Hilfe erbitten, Wünsche und Bedürfnisse artikulieren.
Immer besser gelingt es ihm, Fragen zu formulieren und entsprechend zu
betonen.
Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln sowie
Höflichkeitsausdrücke beherrscht er und verwendet sie zumeist
situationsadäquat.
Mit Hilfe kann er in ersten Ansätzen
Einschränkung gegenüber Zeugnissaussage.
in Gesprächskreisen thematisch gebunden erzählen und sich an
Gesprächsregeln Er ist also doch regelorientiert!
halten.
Till-Philipp versteht Aufforderungen sowie Lob und Verbote
und kann angemessen darauf reagieren. Dabei nutzt er die Fähigkeit,
unterschiedliche Stimmodulationen richtig zu deuten. Wozu
ist dann noch ein enges Kontrollsystem erforderlich? Diese Angabe steht
im Widerspruch zu seinem an anderer Stelle bekundeten mangelnden Regelverhalten!
Wahrnehmung / Denken
Till-Philipp ist in der Lage, Vorhaben und Handlungseinheiten
im Rahmen seiner Möglichkeiten zu planen und umzusetzen. Es gelingt
ihm diesbezügliche Ideen anderen gegenüber zu artikulieren und
durchzusetzen. Er verfügt inzwischen über eine Reihe von Problemlösungsstrategien
und kann Handlungsalternativen gezielt wählen. Nicht
immer gelingt es ihm, mögliche Konsequenzen des eigenen oder auch
fremden Handelns richtig einzuschätzen. Zeugniszitat:
Auch kann er mögliche Konsequenzen, die auf eigene und fremde Handlungen
folgen, abschätzen und artikulieren.
Till-Philipp kennt Formen und Farben und kann diese differenzieren.
Er kann Größen unterscheiden, Reihenfolgen und einfache Kategorien
bilden.
Grob- und Feinmotorik
Till-Philipp hat seine Bewegungsökonomie und -geschwindigkeit
sowie Zielgerichtetheit soweit entwickelt, daß er an den Ball- und
Bewegungsspielen der Grundschüler teilnehmen kann.
In den Bereichen des vestibulären
Systems hat er deutliche Fortschritte gemacht. Pedalo fahren und
Dosenstelzen laufen beherrscht er mit nur noch wenig Hilfe. Im Bereich
des propriozeptiven Systems Wie
gut, daß es Fremdwörter gibt! zeigt
er noch immer Defizite. Kleine Höhenunterschiede
überwindet er auf allen Vieren Können
wir nicht bestätigen!! und das Springen
aus geringer Höhe beherrscht er mit Hilfe. Er
springt allein von der vorletzten Treppenstufe! Das Zeugnis vermittelt
mehr, und dies positiver.
Till-Philipp verfügt über eine differenzierte
Handfertigkeit und kann sämtliche im Unterricht gebräuchlichen
Materialien sachgerecht handhaben.
Seine Auge-Hand-Koordination ist soweit entwickelt, daß
ihn das Anmalen von komplexen Formen, das gezielte Kleben, das Schneiden
auf der Linie, wie auch das Schreiben von Buchstaben und Zahlen ohne Führungslinien
immer besser und
schneller, vergleiche Zeugnis und Bericht der Klassenlehrerin gelingen.
Mathematik
Till-Philipp kann Mengen nach qualitativen
und quantitativen Eigenschaften vergleichen und unterscheiden. Ergänzung
im Zeugnis: sowie vorgegebene Mengen verändern (reduzieren, erweitern).
Im Zahlenraum bis 10 kann er Mengen zuordnen sowie Größer-Kleinerbeziehungen
angeben und notieren.
Die Zahlen im ZR bis 12 benennt, liest und schreibt er
sicher, im ZR bis 20 noch nicht immer richtig.
Mit Hilfe Im
Zeugnis fehlt dieser Zusatz.und in handlungsorientierten
Zusammenhängen gelingt ihm die Zahlzerlegung im ZR bis 6.
„Mit Hilfen kann er hier Additions-
und Subtraktionsaufgaben nachvollziehen sowie die“
Mengen mit Vorstellungshilfen (Würfelbilder)
kann er simultan aufnehmen. Vorgestellter
Satzteil steht im letzten Zeugnis! Also Rückschritt?
Lesen/Schreiben
Till-Philipp kennt ca. 30 im Rahmen seines Leselehrgangs
behandelte Ganzwörter. Die meisten hat er ganzheitlich gespeichert
und kann sie erlesen. Den diesen Wörtern zugrunde liegenden Buchstabenbestand
beherrscht er, kann diesen erlesen, formgetreu aus dem Gedächtnis
verschriften und verfügt über die zugehörigen Sprechbewegungsbilder.
Die im Lehrgang aktuell behandelten Wörter kann
er nach Vorlage und zum großen Teil nach Diktat verschriften. Die
Synthese der Wörter aus bekannten Buchstaben gelingt
ihm nur mit Hilfe. Zeugniszitat: ... gelingt
ihm mit Hilfen. Hier wird ein nicht vorhandener Rückschritt dokumentiert!
Buchstaben, Wörter und Sätze kann er formgetreu
nachspuren und nach Vorlage schreiben. Till-Philipp
kann auf der Basis des geübten Wortbestandes Sätze und kleine
Texte erlesen und sicher entsprechenden Bildern zuordnen. Laut
Zeugnis kann er auch neue ein- und zweisilbige lauttreue Wörter auf
der Basis des geübten Buchstabenbestandes mit Hilfe erlesen.
Musische Fächer
An den musischen Fächern zeigt Till-Philipp besonderes
Interesse. Sein außerordentlich großes
Interesse an technischen Dingen findet nirgends Erwähnung, hier soll
wohl dem Vorurteil Vorschub geleistet werden, Kinder mit einer Trisomie
21 seinen grundsätzlich musisch veranlagt.
Freude zeigt er am Spiel mit Rhythmus-
und Musikinstrumenten, das er mit Hilfe und reduzierten Anforderungen im
Klassenverband praktiziert. Mit der Klasse eingeübte Lieder versucht
er mitzusingen. Zeugniszitat: Er kann
mit Unterstützung annähernd gleichmäßig auf Rhythmusinstrumenten
schlagen. Seine diesbezüglichen Fähigkeiten werden im Zeugnis
und im Bericht der Klassenlehrerin ausführlicher gewürdigt.
Grundlegende künstlerische
Techniken wie An- und Abmalen, Zeichnen, Farbmischung, Schneiden, Kleben,
Reißen, Plastizieren etc. kennt und beherrscht Till-Philipp z.T.
gut. So kann er im Rahmen seiner Möglichkeiten und mit Hilfen am Kunst-
und Werkunterricht der Klasse teilnehmen. Die
Zeugnisaussage ist in diesem Punkt deutlicher und damit positiver.
Am Textilunterricht nimmt er mit
reduzierten Anforderungen teil. Das Zeugnis
sagt hier etwas anderes, es ist positiver!.
Sport
Mit besonderer Freude nimmt Till-Philipp am Sportunterricht teil. Er ist zunehmend besser in der Lage an den Übungen und Spielen der Mitschüler teilzunehmen, da er die Handhabung von Sportgeräten wie Ball, Seil, Rollbrett, Pedalo etc. gelernt hat und Regeln ( wie z.B. Anstellen in einer Riege) einhalten kann. Auch hier ist das Zeugnis ausführlicher. Welche besonderen Fördermaßnahmen wurden eingesetzt, um seine in diesem Bericht aufgezeigten Defizite in der Grobmotorik abzubauen.
Zusammenfassung- und Ausblick
Till-Philipp hat sich in der Lerngruppe
zu einem integrierten Mitglied entwickelt Dieses
Ergebnis wird in den nachfolgenden Sätzen wieder zurückgenommen,
warum? und zeigt in allen schulrelevanten
Bereichen gute Fortschritte. Er hat von den Mitschülern lernen können
und diese haben durch ihn gelernt. Von
ihm haben sie nichts gelernt?
Es ist jedoch hervorzuheben, daß
die beschriebenen Erfolge in engem Zusammenhang stehen mit der Größe
der Lerngruppe (anfangs17 derzeit 15 Schüler) die das permanente
gemeinsame Lernen der behinderten und nichtbehinderten Dies
steht im Widerspruch zum Berichtsanfang. Kinder
in einem Raum und die intensive Förderung der sozialen Integration
ermöglicht. Weshalb sonst wurden
denn die Rahmenbedingungen geschaffen?
Von besonderer Bedeutung erscheint
auch der Umfang der Doppelbesetzung von Grundschullehrerin und Sonderschullehrerin
mit 15 Wochenstunden. Weshalb sonst wurden
denn die Rahmenbedingungen geschaffen? Eine
tatsächliche Förderung Till-Philipps
ist nur in den Stunden möglich,
in denen sich eine Lehrkraft intensiv und möglichst
ausschließlich um den Jungen kümmern kann. In den Stunden, in
denen eine einzelne Lehrerin alle Kinder betreut, ist Till-Philipps Lernen
sporadisch und wenig effektiv. Dies bezweifeln
wir, da es im Widerspruch zur bisherigen Einschätzung der Klassenlehrerin
und Schulleiterin steht.
Förderlich für die Integration
Till-Philipps ist die Überschaubarkeit der Schule und die Bereitschaft
aller hier arbeitenden Personen (einschließlich Hausmeister und Sekretärin
und Putzfrauen?)
sich auf die besonderen Bedürfnisse welcher
Art eines geistig behinderten
Kindes einzulassen in welcher Art
und das Lernumfeld daraufhin zu verändern..
In diesem Zusammenhang sei verwiesen auf das enge Betreuungs- bzw. Kontrollsystem,
dessen Till-Philipp bedarf um ihn vor für ihn nicht einschätzbaren
Folgen seines Handelns und seiner mitunter unvorhersehbaren Reaktionen
zu bewahren. Seine Zeugnisse belehren
uns eines besseren; sein gut eigenständiges Handeln im häuslichen
Umfeld bestätigt das nicht. Der Erfolg der Integration widerspricht
dem. Wenn ein solches System bekannt wäre, wäre es für eine
Integration untauglich.
Um eine Kontinuität der Lernfortschritte
in den fachbezogenen Lernbereichen zu gewährleisten, erscheint eine
möglichst umfassende sonderpädagogische
Betreuung Ist damit eine Sonderschule
gemeint? dringend ratsam.
Siehe zur gesamten Zusammenfassung folgende Bemerkung!
Braunschweig, den 17.12.1997 (Unterschrift der Sonderschulpädagogin)
Bemerkung:
In vielen Einzelpunkten tauchen positive Aspekte im schulischen
Alltag Till-Philipps auf, die in dieser Zusammenfassung mehr als zurückgenommen
werden. Die Zusammenfassung liest sich für uns wie eine Demontage
des geistig behinderten Schülers Till-Philipp mit der Sichtweise einer
Nichtbefürwortung von Integration. Tatsächlich sollte es hier
um die Berichterstattung der integrativen Schulmaßnahme und ihrer
Durchführung gehen, die mit dem Schuljahr 1994/95 auf unser Betreiben
hin begonnen wurde. Der Bericht der Sonderschulpädagogin erweckt bei
uns den Eindruck, der Integration eines Kindes mit Trisomie 21 nicht in
ausreichendem Maße gewachsen zu sein. Die sonderschulpädagogische
Ausbildung mit Schwerpunkt LB erscheint offensichtlich nicht immer ausreichend
zur Integration eines GB-Kindes mit Trisomie 21. Der dennoch eingetretene
Erfolg der Integration, wie er im Bericht der Klassenlehrerin zu erlesen
ist, ist danach der Klassenlehrerin zu verdanken wegen ihrer Einfühlsamkeit,
Menschenkenntnis und langjährigen Erfahrung im Grundschulbereich.
Die unermüdlichen Unterstützung des restlichen Lehrerinnenkollegium
und der Schulleitung sowie unserer häuslichen Beiträge und Fördermaßnahmen
haben sich ergänzend positiv ausgewirkt. Till-Philipp kann und weiß
mehr, als er oftmals zeigt. Wir halten es auch für eine Aufgabe der
Schulpädagogik, der Sonderschulpädagogik sowieso, mit geeigneten
Mitteln in das Kind „hinein zu schauen“ und es zu motivieren, nicht aber
diesen Einblick zu nutzen, um danach die festgestellten Defizite zum Anlaß
zu einer Kritik zu nehmen, die geeignet ist festzustellen, daß nur
das gesehen wurde, was gesehen werden wollte und nicht das, was sonst noch
da ist.
In dem vorstehenden Bericht liegt die Betonung nicht
auf seinem Leistungsvermögen, sondern auf den Defiziten von Till-Philipp,
was zu der Frage führt, was hat er überhaupt bei der Sonderschulpädagogin
gelernt. Diese mitunter anzuzweifelnden Defizite werden vermutlich inhaltslos,
wenn der Vergleich mit den Trisomie 21-Kindern gleichen Jahrgangs einer
Sonderschule für Geistigbehinderte durchgeführt wird; immerhin
war die Schule und damit auch die Sonderschullehrerin gehalten, den Unterricht
zieldifferent nach den Rahmenrichtlinien der Schule für Geistigbehinderte
auszurichten und durchzuführen.
Somit gerät der Integrationsbericht zum Eingeständnis
der Sonderschulpädagogin, ihrer Aufgabe nicht im gewünschten
Umfang gewachsen zu sein. Wir leiten daraus das Begehren ab, für den
Rest des laufenden Schuljahres der Sonderschulpädagogin den ihr zustehenden
Erziehungsurlaub zuzugestehen und der Integrationsklasse eine fachkundigen
Ersatzkraft zur Verfügung zu stellen. Wir verweisen hier auf den oben
eingefügten Brief der Sonderschulpädagogin an alle Kinder der
Klasse. Der von dem „Ausblick“ der Sonderschulpädagogin ausgehende
Versuch einer Suggestion kann nicht Aufgabe des Integrationsberichtes sein.
Aufgabe des Integrationsberichts ist nach unserem Verständnis auch
eine Selbstbewertung der von der Fachkraft geleisteten Arbeit.
Wir beantragen für den Fortgang der Integration
in einer Gesamtschule und damit zur Klärung der aufgeworfenen Fragen
und Bewertungsunebenheiten eine Förderkommisson und bitten deshalb
um Aufklärung darüber, wer wann wo in dieser Kommission teilnimmt.
Christel und Hans-Peter Spanier [Ortschaft], 18.01.1998
(1) Integration ist die Herstellung einer Einheit durch
Einbeziehung außenstehender Personen, sie ist das Schaffen einer
Verbindung einer unterschiedlichen Vielheit von Menschen zu einer gesellschaftlichen
(und kulturellen) Einheit.
(2) Es sei hier angemerkt, daß wir keine
Wunder erwartet haben (Kindergarten) und es schon reichlich fanden, wenn
hin und wieder Kinder Till-Philipp besuchten!
(3) Auch hier sind wir zufrieden, wenngleich es
nach dreieinhalb Jahren mehr sein könnte, zumal auch wir Beiträge
da-zu geleistet haben!
(4) Zu Beginn des 2. Schuljahres verließ
Till-Philipp den Pausenhof unbemerkt mit der Folge, daß er statt
seines gelieb-ten Sportunterrichts eine Stunde allein und ohne Beschäftigung
in der Klasse darüber zu reflektieren hatte. Er ver-brachte dies Stunde
weinend und schluchzend, wie uns die Sonderschulpädagogin nicht ohne
Stolz berichtete. Als wir ihn vom Sport abholen wollten, wurden wir ins
Klassenzimmer gewiesen. Die Sonderschulpädagogin fragte ihn, ob er
eingesehen habe, daß er was falsch gemacht hatte. Er bejahte dies,
aber nur, weil er wieder mit ihr Kontakt hatte und wir in der Tür
standen.
(5) Es gab auch vor der Einschulung ein Gespräch
bei uns mit beiden Lehrerinnen. Auf meine Schilderung, ich mache mit Till-Philipp
Sprachübungen, indem ich ihn bei Fahrradfahrten durch Wald und Flur
schwierige Wörter sagen lasse wie „Hochspannungsmast“, den ich ihm
dann auch zeigen kann, fragte die Sonderschulpädagogin, warum ich
nicht gleich „Donaudampfschifffahrtsgesellschaft“ genommen habe. Die Höflichkeit
verbot mir zu fragen, wie ich ihm diese im Wald zeigen soll.