Die Argumentationsbasis der persönlich betroffenen ist das Erleben des Umgangs von Gesellschaft und Behörde mit ihnen und ihren behinderten Angehörigen. Dies bleibt oftmals für nichtbetroffene unverständlich und deshalb nicht nachvollziehbar. Die Konsequenz, die wir und möglicherweise andere Betroffenen daraus ziehen, können sehr unterschiedlich ausfallen. Der Teil unserer Mitmenschen, die beruflich mit Behinderten zu tun haben, kennen kaum diesen Erlebnisbereich. Ihre berufliche Ausrichtung ist unserer Meinung nach sehr stark abhängig von der Institution, die sie beschäftigt, und die Institutionen wiederum ‚beziehen' ihre Abhängigkeit von den nichtstaatlichen und staatlichen Stellen bzw. Behörde, die sie initiiert haben und bzw. oder finanziell absichern. Ihr Beruf zwingt die Nichtbetroffenen, zum Wohle der Behinderten tätig zu sein. Ungeprüft bleibt dabei der Begriff ‚zum Wohle der Behinderten', er wird genauso fremdbestimmt wie das Leben der Behinderten. Wir halten es dabei für nicht ausgeschlossen, daß einige dieser Tätigen sich selbst und ihre Ansichten bzw. Meinungen und beruflichen Verfahren für so absolut richtig halten, daß sie keinen Widerspruch dulden. Wir gehen davon aus, daß dies in allen hierarchischen Stufen hierarchieübergreifend vereinzelt der Fall ist. Betroffen sind davon weniger Pfleger als Betreuer. Davor geschützt sind auch nicht diejenigen, die seit 30 Jahren in einer kirchlichen Einrichtung auf diesem Gebiet arbeiten, z.B. in der Stiftung Neuerkerode.
Dies wurde in der Reaktion eines meiner Leserbriefe deutlich der am 12.03.2003 in der Braunschweiger Zeitung erschien und sich auf einen Artikel vom 06.03.2003 bezog. Er hatte folgenden Wortlaut, ist aber um die unterstrichenen Passagen von der Redaktion gekürzt worden. Daß damit eine Entstellung meines Gedankens verbunden war, könnte möglicherweise in der Absicht der Redaktion gelegen haben.
"Freiheit definiere sich vor allem über Chancengleichheit in der Bildung, Freiheit von einer gängelnden Bürokratie sowie einem sparsamen Staat, so Rösler", steht im besagten Bezugsartikel. Die (geistig) Behinderten in Niedersachsen hatten unter einer SPD-geführten Landesregierung eine Chancengleichheit in der Bildung, was sich an der Vielzahl der Integrationsklassen festmachen läßt. Die angekündigte begabungsgerechte Beschulung wird für die geistig Behinderten nicht greifen können, da es für sie künftig nur noch die Sonderschule wird geben dürfen. Zu klären bleibt dabei noch, was unter einer Begabungsgerechtigkeit zu verstehen ist und ob die neue Landesregierung den Behinderten Begabungen zugesteht. Unter dem christlichen Deckmantel der neuen Landesregierung (das C in der CDU steht für christlich) werden die Behinderten noch nicht einmal in der Regierungserklärung erwähnt. Da den geistig Behinderten das volle Bürgerrecht vorenthalten wird, sie haben kein Wahlrecht und sind per Gesetz geschäftsunfähig, besteht für die CDU wohl keine Veranlassung, für sie Politik zu machen. Herr Wulff hat seine eigene Vorstellung, das von der Europäischen Union ausgerufene Jahr der Behinderten zu begehen. Wehe dem, der in Niedersachen einer Behinderung unterliegt!!
Die Reaktion des Mitarbeiters der Stiftung Neuerkerode begann mit einer e-MAIL, die mich ohne Datumsangabe mit folgendem Wortlaut erreichte: (12.03.2003)Hans-Peter Spanier
Dieser Text löste offensichtlich sein Mißfallen aus, das sich in seiner Mail, wieder ohne Datumsangabe, ausdrückte: (13.03.2003)Wenn ich mir Ihre Homepage ansehe und Ihre dort beschriebenen Kämpfe - z.B. gegen Nachbarn - entschließe ich mich jetzt, Ihnen nicht weiter zu antworten. Ich kämpfe gegen keine Nachbarn, die Nachbarn kämpfen gegen uns als Familie mit einem geistig behinderten Kind als Motiv!!! Er wird eine Familie haben, die in ihrer Gesamtheit ‚sozialhygienisch' einwandfrei ist. Wie soll er da etwas nachvollziehen können, was er nie erlebt hat. Ihn als Nachbar zu haben wäre schrecklich, da hier der Versuch einer verbalen Bevormundung erkennbar wird. Da diesem Herrn offensichtlich die Argumente ausgehen, beginnt er die Tatsachen zu verdrehen. Ich will nicht annehmen, daß diese Verfahrensweise typisch ist für betreuenden Mitarbeiter der Stiftung Neuerkerode!!! Sie schreiben ja sogar vor, in welcher Weise an mit Ihnen zu diskutieren hat. Ich wollte lediglich ein bestimmtes Niveau in der Auseinandersetzung halten. Dieser Herr ist damit wahrscheinlich intellektuell überfordert!!
Schade finde ich es für Ihren Sohn, der
irgendwann sein Leben mehr oder weniger allein und ohne seine Eltern
gestalten muß und dann in einer Welt steht, auf die er unvorbereitet ist.
Dieser Herr ist nicht in der Lage, über seinen Horizont zu schauen.
Sein eng begrenzter Lebens- und Wirkungsbereich läßt in ihm keine
Akzeptanz zu für Initiativen außerhalb seines Lebens- und
Wirkungsbereiches. Es trifft ja auch nicht seine eigenen Kinder,
sondern die fremder Menschen.!!!
Freundliche Grüße
Name